Archiv für September 2009

Ein Schreckensszenario

Ladies and Gentlemen, es ist soweit! Die Ultras im deutschsprachigen Raum übernehmen die Macht in den Fankurven! Die Revolution innerhalb der Fanszene hat begonnen!

Beim Lesen dieser Zeilen macht sich unter den Menschen in der Allianz Arena Panik breit. Wohin man schaut, überall offene Münder, erschrockene Gesichter. Staffelführer der Münchner Polizei fordern in heller Aufregung Anti-Terror-Einheiten und Wasserwerfer an, verängstigte Eltern klemmen ihre Kinder unter die Arme und verlassen fluchtartig das Stadion. Andere Fans lösen schnellstens das verbliebene Guthaben ihrer Arena Card ein, die Essensstände sind dem Ansturm nicht gewachsen, es kommt zu Plünderungen, anschließend verschanzt man sich wahlweise im Paulaner Fantreff, dem Raum der Fanbetreuung oder in der Lego Welt. Die Vip´s in den Logen räumen noch schnell die Buffets ab, überrennen schnittchenreichende Kellnerinnen und buchen am Münchner Flughafen 1.Klasse-Tickets nach Südamerika, der Betrieb bricht schließlich völlig zusammen. Im sicheren Flieger und mit der Gewissheit, noch einmal davongekommen zu sein, greift man in Erwartung weiterer Schreckensmeldungen erneut zum Südkurvenbladdl.

Und was muss man da lesen? Alles halb so wild! In München werden die Ultras nach wie vor kleingehalten. Die Stadionverbote bleiben trotz der ersten vorliegenden Freisprüche weiter bestehen, Fahnen mit einer Stocklänge über einen Meter sind weiterhin verboten, das gleiche gilt wieder einmal für das Südkurvenbladdl selbst. Das Arenapublikum wird nach wie vor von Werbung berieselt, die Haupttribüne pfeift wegen der schlechten Mannschaftsleistung und die Fans in der Südkurve schweigen sich in gewohnter Art und Weise aus. Im Flieger macht ein allgemeines Aufatmen die Runde, blöd nur, dass man jetzt noch 20 Stunden Flugzeit überbrücken muss. Also Zeit totschlagen und den angelesenen Artikel wieder zur Hand genommen. Wie kommt die bescheuerte Schickeria denn darauf, dass Ultras in Deutschland neuerdings etwas zu Sagen haben könnten?
Ganz einfach, ihnen ist das Vorhaben von „Ultrà Sankt Pauli“ zu Ohren gekommen, im neuen Stadion eine „Kurve der Ultras“ einzurichten. Soweit nichts wirklich sensationelles, schließlich arbeiten seit vielen Jahren Ultras in Deutschland darauf hin, eines Tages in einer sangeskräftigen, phantasievollen und lebendigen Kurve stehen zu können. Aber jetzt kommt der Hammer: Dieses Mal besteht eine realistische Aussicht auf Erfolg!
Ultrà Sankt Pauli (kurz USP) ist es nämlich gelungen, sich das Vertrauen der Vereinsführung zum Aufbau einer enthusiastischen Fankurve zu erwerben – und das, obwohl auch dort häufig Vorbehalte und Vorurteile gegen die Ultrákultur seitens Medien, Polizei und anderen Fans geäußert werden. USP hat für die neue Südkurve ein Konzept ausgearbeitet, welches es allen der Ultràkultur nahestehenden Fans ermöglichen soll, ihre Art des Fandaseins so auszuleben, wie sie es für richtig halten. Demnach soll die Kurve im Idealfall Platz für 3000 begeisterungsfähige Fans bieten, die Anmeldungen für die neue Südkurve erfolgen größtenteils über ausliegende Listen, die für jede neue Saison von USP und dem „Fanladen“ (Fanprojekt des FC St. Pauli) gesammelt, verwaltet und an die Kartenlogistik übermittelt werden. Ein Vorkaufsrecht für Dauerkarten gibt es dagegen nicht. Diese Regelungen sollen in erster Linie die auch bei uns bekannte Problematik verhindern, dass die Stehplätze durch am Mitsingen nicht interessierte Fans ´blockiert` werden, was in der Vergangenheit gerade jüngeren Fans den Zugang in den Fanblock erschwert hat. Und dadurch, dass es im neuen Stadion mehr Platz geben wird, dürften auch die Konflikte innerhalb der Fanszene entschärft werden. Die „Abteilung spielbezogener Support“ (die gibt es auch beim FC St. Pauli) bleibt einfach nach wie vor auf der Gegengeraden, die „Abteilung der Ultras“ wechselt in die neue Südkurve – ohne in der Zukunft ständig befürchten zu müssen, etwa aufgrund geschwenkter Fahnen und langanhaltender Gesänge von anderen Fans angefeindet zu werden.
Auf alle Details des vorgelegten Konzeptes einzugehen, würde jedoch bei weitem den Rahmen sprengen, wir beschränken uns deshalb auf einen Verweis auf die eingerichteten HP „www.ab-in-den-sueden.org“). Festzuhalten bleibt jedenfalls, dass die Vereinsführung diesem Konzept zustimmte und USP Freiheiten bei der Gestaltung der Fankurve zusicherte. Offensichtlich hat der FC St. Pauli erkannt, dass er auf eine enthusiastische Fankurve angewiesen ist, allein schon wegen der von Vereinsseite erwarteten Vermarktungsmöglichkeiten. Um es ökonomisch auszudrücken: Beide Parteien sehen im Aufbau einer von der Ultràszene angeführten Kurve eine win-win-Situation, also die Gelegenheit, gegenseitig zu profitieren. Und wir sind uns sicher, dass dieser Vertrauensbeweis der Vereinsführung und die Mitarbeit der Ultras im Verein bald zu positiven Früchten führen wird.
Den uns bekannten Jungs und Mädels von USP sei an dieser Stelle gesagt, dass wir ihnen die einmalige Chance zum Aufbau einer großartigen Fankurve von ganzem Herzen gönnen. Ihr habt sie euch durch euren unermüdlichen Einsatz redlich verdient und wir freuen uns auf den Moment, die Ergebnisse eurer Arbeit endlich sehen zu können. Denn dass wir an die Verwirklichung eurer Visionen glauben, steht für uns außer Frage.

Ich schweife ab, ihr wollt sicher wissen, was aus den Vips´s im Flieger nach Südamerika geworden ist. Nun ja, die haben sich am Champagner gelabt und die aus ihrer Sicht unsaubere Landung des Piloten mit einem gellenden Pfeifkonzert quittiert. Anschließend ging es nach einem Kurzurlaub an der Küste von Rio zurück nach München – zum Heimspiel in die Allianz Arena, wo alles seinen gewohnten und vertrauten Verlauf nahm. Bis eines schönen Tages das erfolgreiche St. Pauli-Modell Schule machte und die Vereinsführung des FC Bayern öffentlich verkündete, die Verantwortung für die Gestaltung der Südkurve in die Hände der Schickeria zu legen, was wiederum zu Panikreaktionen der anderen Stadionbesucher führte. Aber diesen Teil kennt ihr ja schon…“

aus einem Südkurvenbladdl in der Saison 06/07

Warum ein Heimspielmarsch

WARUM EIN HEIMSPIELMARSCH ?

Grüßt euch, werte Leserschaft. Wie bereits bekannt sein dürfte, führt die Blue Generation seit einigen Wochen vor jedem heimischen Auftritt unserer Elf einen Treffpunkt mit anschließendem Gang zum Block U durch. Dabei konnten zu Beginn, sicher auch durch den Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, schon bis zu 150 vornehmlich junge Ultras begeistert werden. Während der Alte Markt, genauer unser Rathaus zu Beginn als Startpunkt diente, sammelte sich der Haufen zu den letzten Heimspielen direkt am Elbstrom um vom Petriförder zum HKS zu schlendern. Doch da geht bei Weitem mehr.

Wenn ihr diese Zeilen lest, liegt der heutige Gang (vom Rand der Magdeburger Altstadt, dem historischen Domplatz, über die alten Mauern der stolzen Festung am Schleinufer am Fuße der Elbe und über diese hinweg durch Cracau) zum Stadion schon hinter uns/euch. Sicher war der Anblick unserer nun fast 800jährigen Kathedrale in der Abendsonne gerade für die Auswärtigen unter euch ein Erlebnis, dass sich ins Gedächtnis einprägt. So geht es zumindest eurem Schreiber beinahe jeden Tag aufs Neue. Habt ihr diesen Moment verpasst, obwohl es euch zeitlich möglich gewesen wäre, den Ultras beizuwohnen?! Tja…eigenes Verschulden. Aber das muss ja nicht so bleiben, oder? Gerade für diejenigen Jungs, denen der Stadionbesuch in Magdeburg oder auch bundesweit leider immernoch verwehrt und verboten bleibt, ist die Chance, trotzdem etwas vom Gruppengefühl zu erhaschen (wenn natürlich auch kaum vergleichbar mit der Atmosphäre im Stadion), sicher eine gern Gesehene. Doch auch jedem anderen Ultra oder Hool dürfte es doch sehr gefallen, mehr Zeit in und mit seiner Subkultur zu verbringen, als nur 90 Minuten mit geilen Kunden im selben Block zu stehen. Wer sich noch nicht für bereit, alt oder einfach weit genug hält, Block U auch auswärts zu begleiten, kann so immerhin auch außerhalb der Traversen mal einen kurzen Einblick in das grobe Gruppenleben bekommen.

Ein weiterer wichtiger Punkt, dem man den vielen neuen Leuten in unseren Reihen näherbringen möchte, ist ganz einfach der Gedanke, dass Block U mehr ist als nur Fanatismus für den Fußballsport, sondern viel intensiver auch die Auseinandersetzung und Beschäftigung mit der Stadt Magdeburg, die der FCM als Aushängeschild vertritt und deren Außenwirkung auch wir jungen Menschen in der Hand haben. Dafür ist es logischerweise unumgänglich, MD kennenzulernen. Dabei fangen wir natürlich bei den schönsten, bekanntesten und eindrucksvollsten Plätzen an. Doch ihr könnt davon ausgehen, dass sich die Organisatoren immer mal was Neues einfallen lassen werden. Soll ja nicht langweilig werden. Mal sehen, ob es eventuell irgendwann sogar gelingt, gerade den interessierten Auswärtigen auch mal die letzten echten Plattenbauviertel in Olvenstedt und Nord, die Gartenkolonien Otterslebens oder den eigentlichen Kiez abseits des Hasselbachplatzes zu zeigen .

Mich selbst motivieren diese Spaziergänge durch meine Heimat stets ungemein. Und in einer Gruppe Gleichgesinnter dürfte sich genau dieser Effekt noch verstärken, sodass ein junger Ultra in unserem Block danach vielleicht eher weiß, wofür er singt und warum er im alltäglichen Leben mit dem Stempel „Fußballverrückter“ leben muss. Dass Ultra` nicht nur cooles Posen in Windbreaker und Basecap ist, sondern viel mehr Liebe und Hingabe für Stadt, Freunde und den Fußballclub, kann man nicht früh genug begreifen.

Leute, sucht den Kontakt, nehmt Gespräche auf und macht euch Gedanken anstatt das Einstehen für Stadt und Verein nur bei einem Wochenendhobby neben Disko, Suff und Weibern schleifen zu lassen, auch wenn dies etwas Überwindung kostet. Auch mich selbst hat meine erste Einschätzung der älteren Ultras als arroganten Haufen, der sich nicht für die Jungs außerhalb der elitären Gruppen interessiert, lange vom ersten Schritt abgehalten. Doch dies zu Unrecht, da es nichts Schöneres gibt, als wirklicher Teil der Ultras Magdeburg zu sein, ohne dass man sich mit Klamotten, Buttons oder dummen Geschwafel schmücken müsste. Nur vom Shopping am BG-Stand oder dem (leider auch viel zu seltenen) Agieren im Stadion wird es nur schwer Anschluss zu finden. Aber nur durch Teilnahme und ernsthaftes Interesse an der Sache kann unsere „Bewegung“ mit der Zeit auch in Magdeburg den Kinderschuhen entwachsen und zu einem Faktor werden, den es sich niemand wagt, zu ignorieren.

Der Treffpunkt vorm Heimspiel und der Gang zum Spiel sind ein Angebot, eine Chance, die ihr nützen solltet (und das soll keinesfalls arrogant klingen). Auch wenn ihr noch sehr jung, übermäßig schüchtern oder sehr skeptisch im Umgang mit unserer Jugendkultur seid – lasst euch davon nicht abhalten. Bestimmt wird man auch so mit der Zeit auf euch aufmerksam und ehe man sich versieht, ist der Freundeskreis um etliche charismatische junge Menschen vergrößert .

Auch außerhalb der Wochenenden bietet sich so oft die Chance, sich dem leider momentan etwas in seiner Größe stagnierenden harten Kern etwas anzunähern. Über das Planet, die Internetseiten oder durch Mundpropaganda sollte ein jeder von diesen Angeboten mitbekommen, sodenn er denn möchte. Allein durch den neuen Klub65 sind ja nun recht angenehme neue Möglichkeiten gegeben.
Also jetzige und hoffentlich auch spätere Freunde…ich mach hier mal Schluss, bevor es noch emotional ausufert. Magdeburg ist wundervoll und die Ultras sind es sowieso. Nutzt die Gelegenheit, euer Leben mit beidem zu bereichern.

(Aus dem Planet MD, Infoflyer der Blue Generation Magdeburg)

Israel Part II

Unsere Nahost-Experten haben nochmal ein paar Videos aus Israel nachgeliefert.

Maccabi Haifa

Hapoel Tel Aviv

That’s TIFO – that’s AMORE !

Nachdem wir in einem der letzten Südkurvenbladdl-online so frei waren einfach mal uns selbst zu zitieren und einen etwas älteren Text (von „lalala-Liedern“ und „spielbezogenem Support“ / Ihr könnt ihn auch im Internet auf dem GDS-Blog nachlesen) nochmals zu veröffentlichen, können wir erfreut feststellen, dass dieser durchaus zur Kenntnis genommen wurde. Sinn davon war nochmals jeden offen und ehrlich an unsere Einstellung zu erinnern, diese aber auch fundiert begründen zu können (also nix von wegen Mode, Trend, Kopie, etc.) und vor allem zum Nachdenken anzuregen.

Zum Beispiel um jemanden, der diesen unseren Vorstellungen vielleicht eher skeptisch gegenübersteht, darüber nachdenken zu lassen ob es nicht Aspekte unserer bevorzugten Art unseren Verein und ein Spiel zu zelebrieren gibt, die er so noch gar nicht betrachtet hatte und die er – wenn man sie vernünftig erklärt – nachvollziehen kann und die er deshalb evtl. auf den zweiten (genaueren) Blick mitträgt – kurz, ihnen eine Chance gibt. Und vielleicht dann, unbelastet von alten und überkommenen Vorurteilen, darüber nachdenkt wie sich das was ihm beim Begehen eines Spieltags oder dem Anfeuern seiner Mannschaft wichtig ist (in gewisser Weise harmonisch) mit unseren Vorstellungen verbinden lässt. Ohne dass „direkte Anfeuerung“ verschwindet oder zu kurz kommt – aber auch ohne dass die größte organisierte Gruppe der Kurve ihre Philosophie (die sie seit vielen Jahren hat und die ihre Leute aus dem Innersten heraus antreibt) verleugnen oder aufgeben muss. Nur darin kann ein erfolgreicher Weg für die Kurve liegen – und nur durch Nachdenken darüber kann so etwas wie ein gelungener „Kurven-Mix“ (den wir allgemein und im folgenden TIFO nennen, denn genau das ist WAHRER TIFO für uns – eine gelungene Mischung!), den eine Mehrheit der an der Anfeuerung auch beteiligten(!) Personen zu tragen bereit ist, entstehen. Nur durch ständige progressive Auseinandersetzung mit diesem Thema kann überhaupt Fortschritt in der Südkurve entstehen! Auch wenn dies ganz natürlicher Weise immer Reibungspunkte im Laufe der Diskussion bzw. des Nachdenkens beinhaltet. Manchmal brauch es dafür, dass man sich mit etwas wirklich auseinandersetzt eben auch mal die ein oder andere provokativ formulierte Zeile zwischendurch – sozusagen als kleine „Motivationshilfe“. Viel besser so, als in Lethargie zu verharren.

Nun aber zurück auf die Suche nach dem Mix, dem „Südkurven-Tifo“! Nachdem der zitierte Text sich eher grundsätzlich mit verschiedenen Philosophien und deren realen bzw. vermeintlichen Widersprüchen beschäftigte, wollen wir uns nun aus unserer subjektiven Perspektive heraus der Frage annähern wie den ein gelungener Kompromiss, eine gesunde Mischung, sprich ein „perfekter“ Mix aussehen könnte:

Unser gemeinsamer TIFO sollte geprägt sein durch lang anhaltende Gesänge in wechselnder (!!!) Intensität und einer Vielzahl an lebendigen optischen Hilfsmitteln wie z.B. Fahnen. Aber auch durch statische optische Hilfsmittel wie Choreographien und die guten alten lautstarken(!) Schlachtrufe.

Er soll der Inszenierung eines Kurvenspektakels dienen, welches in erster Linie die Kreativität, Treue und den Fanatismus der jeweiligen Fans ausdrücken soll. Die Spieler sollen dadurch selbstverständlich auch erreicht werden, allerdings zusätzlich(!) zum Versuch durch reine Schlachtrufe auch dadurch, dass sie durch das gebotene Spektakel, den unübersehbar vorgelebten puren Fanatismus, dem auch sie sich nicht erwehren oder entziehen können, das Bewusstsein dafür erhalten Teil eines Phänomens (FC Bayern München) zu sein und die Ehre zu haben in diesen Trikots für unsere Gemeinde (Religion FC Bayern) spielen zu dürfen. Dies soll sie grundsätzlich (also unabhängig vom konkreten Spieltag oder einer einzelnen isolierten Spielszene und damit auch sowohl kurz- als auch mittel- und langfristig) motivieren, ihnen Verpflichtung werden und sie somit über den Weg der Psyche in ihrer Leistungsbereitschaft für dieses Phänomen FC Bayern antreiben und die Identifikation mit diesem fördern. Jeder Mensch kann darüber erreicht werden, dass er begreift Teil von etwas Besonderem zu sein und daraus eine Verpflichtung ableiten. Dieses Besondere müssen WIR unseren Spielern (wie auch den Gegnern und deren Kurve) vor Augen und Ohren führen! Und zwar so fanatisch, verrückt und beeindruckend wie WIR nur können! Wenn andere Stadionbesucher – so wie wir – für eine spektakulär inszenierte Kurve Bewunderung empfinden können, so können das demnach auch die Spieler, und die Bewunderung für dieses Phänomen muss wiederum den Spielern Verpflichtung sein, auf dem Platz alles zu geben.

Dementsprechend sollte die Priorität bei der Anfeuerung darauf liegen, den Spielern das größtmögliche Maß an bedingungsloser (Stichwort Spielstand) Leidenschaft, Hingabe (Stichworte Intensität und Lautstärke) und Ausdauer- bzw. Durchhaltevermögen (Stichwort Dauer der Gesänge) zu vermitteln, ihnen quasi Vorbild zu sein. So sollten die Gesänge darauf ausgelegt sein, es den Fans in der Kurve zu ermöglichen, sich in diese Gesänge regelrecht HINEINZUSTEIGERN, von Refrain zu Refrain fanatischer zu werden, sich – wenn man so will – in „Ekstase“ zu singen. Dies kann beispielshalber dadurch erreicht werden, dass mitreißende Melodien, welche die Hingabe einer Kurve ausdrücken, verwendet werden, die bei anhaltendem Singen „Ohrwurm-Potential“ entwickeln und – von Tausenden Fans getragen – eine durchschlagende atmosphärische Wirkung erzielen können.

Auch der häufig fälschlich geäußerte Vorwurf des fehlenden Spielbezuges bewahrheitet sich DANN bei genauerem Hinsehen nicht. Es ist nämlich keineswegs so, dass es in der Intensität der Gesänge keinerlei Unterschiede gibt! Ganz im Gegenteil – ein und dasselbe Lied kann binnen kurzer Zeit in seiner Lautstärke deutlich variieren (z.B. nach einer guten vergebenen Chance oder bei einem anschließenden Eckball) und genauso an Fahrt auf- wie auch abnehmen – nicht selten eben genau ABHÄNGIG (!) vom jeweiligen Spielgeschehen.

Die Waffe einer guten Kurve sollte nicht das Raunen oder der Szenenapplaus eines Tennispublikums sein. Überlassen wir das den zehntausenden Zusehern auf den anderen Tribünen! Die Kurve ist ein Ort für Fanatiker! Für Leute, denen die Liebe zu Stadt und Verein den Verstand geraubt hat. Für Leute die am Ausrasten – am Durchdrehen sind! Und so geil brachial laute Schlachtrufe sein können (was niemand von uns je bestreiten würde!), so sollte sich eine gute Kurve eben auch nicht damit begnügen nach jeder Chance oder jedem guten Spielzug sofort immer und ausschließlich (fast reflexartig und wie einem Ritual folgend) einen Schlachtruf zu intonieren, sondern dieses Stilmittel bewusst (und dann in BRACHIALER Lautstärke!) mal einsetzen und mal einfach den „Regler“ hochschieben und das gerade gesungene Lied in doppelter oder dreifacher Lautstärke und Intensität (Fahnen/Bewegung) wiedergeben. Dann is nämlich auch nix mehr mit „Gemurmel“ oder angeblich einschläfernder „Monotonie“! Und der „direkt“ anfeuernde Effekt auf die Mannschaft wird dann auch sehr schnell ersichtlich! Der geile Mix macht’s doch erst aus!

Dementsprechend macht es wenig Sinn, Lieder (wir reden nicht von Schlachtrufen – die es natürlich geben soll und sogar MUSS) lediglich kurz an zu singen, denn ähnlich wie die Spieler über den Kampf ins Spiel kommen, muss auch bei vielen Liedern eine gewisse Schwelle überwunden werden, bis diese wirklich lautstark zu Geltung kommen können – und lautstark können die Lieder durchaus sein, es kommt halt nur auf die Beteiligung und die gelebte Euphorie und Begeisterung für die Sache, für unser Ding an!

Wir sollten unterscheiden zwischen wirklichen „Schlachtrufen“ („Bayern!“ *klatsch-klatsch-klatsch* oder „Auf geht’s Bayern, kämpfen und siegen!“) und wirklichen „Gesängen“. Diese sollten wir je nach Situation, Laune und vorhergehender Auswahl durchmischt einsetzen. Ohne sie allerdings in ihrer Substanz zu vermischen. Ein Gesang bleibt ein Gesang und ein Schlachtruf bleibt ein Schlachtruf! Das „Shalalalalalalala – FC Bayern München!“ dürfte wohl so etwas wie die Grenze des Schlachtrufs markieren, allerdings noch als einer durchgehen. Es gibt kaum negativere Beispiele als Gesänge die eigentlich Melodie haben (wie z.B. auch „Von der Elbe bis zur Isar“ oder unsere Bayern-Version von Rosamunde) und nach einiger Zeit durchaus Drive aufnehmen können, dadurch zu verstümmeln, dass man sie faktisch zu Schlachtrufen degradiert in dem man den Refrain lediglich ein oder zweimal wiederholt. Dafür sind sie nicht da – es gibt doch schon (und das mit Recht) richtige Schlachtrufe die für ein kurzes, in den Ohren hallendes Stakkato geeignet sind. Und Gesänge sind eben dazu da, voller Inbrunst, Stolz und Passion durchschnittlich so 3–5 Minuten zum Besten gegeben zu werden. Oder wenn der Moment gerade passt vielleicht auch mal ausnahmsweise 10 Minuten anzuhalten.

Wir sollten uns dahingehend nicht limitieren auf ein „nur so“ oder „nur anders“. Das wäre langweilig und unkreativ. Auf die richtige Mischung kommt es an! Beides ist cool! Und Beides ist wichtig! Man muss es nur richtig miteinander in Verbindung bringen!
Unserer Meinung nach sähe eine gelungen Mischung grob beschrieben etwa so aus: 2 oder 3 aufeinander folgende Gesänge von 3-5 Minuten Länge, dann 1 oder 2 wirklich brachial laute Schlachtrufe um Mannschaft, Stadion und Kurve aufzurütteln und dem Gegner was entgegen zu schleudern, dann wieder 2 bis 3 Gesänge usw.!
Natürlich nur vom Grundsatz her – also nicht als Dogma in starrer Folge festgeschrieben, sondern flexibel – sprich es kann auch mal ein Lied etwas kürzer oder etwas länger dauern, aber genauso können nach einer guten Torchance mal lautstarke Schlachtrufen quasi „im“ Lied kommen, das danach einfach lauter weiter gesungen bzw. wieder aufgenommen wird.

Nach dieser gelungen Mischung – wir nennen sie TIFO – müssen wir suchen: Wirklicher TIFO schließt für uns alle Vorteile(!) des traditionellen Supports mit ein, nur bietet er eine Vielzahl weiterer Vorteile und positiver Aspekte.

TIFO ist die vor aller Welt Augen demonstrativ ausgelebte Liebe und Leidenschaft für diese Stadt und ihren Verein! Schau her, Welt: That’s AMORE …

(Erschienen im Südkurvenbladdl 09/10)

Von „Lalala-Liedern“ und „spielbezogenem Support“

Ja wir wissen es, das Thema hängt den Meisten längst zum Hals raus und wird leider auch nach diesem Text nicht so schnell vom Tisch sein. Angesprochen werden sollte es aber trotzdem, denn auffällig ist es schon, wie wenig das Hintergrundwissen über die Auswahl unseres Liedgutes ausgeprägt ist – kein Wunder, schließlich haben wir es in der Vergangenheit oftmals versäumt, die Hintergründe unseres Liederrepertoires der Allgemeinheit zu erläutern, was hiermit ansatzweise nachgeholt werden soll.

Es dürfte den Meisten bekannt sein, dass sich unser Stil der Anfeuerung von den Vorstellungen anderer Fans abhebt, die ein eher „traditionelleres“ Liedgut fordern. Um eines im Vornherein klarzustellen, wir sprechen hier nicht von solchen Stadionbesuchern, welche ihre akustische Unterstützung bis auf ein paar kurze Ausnahmen weitgehend eingestellt haben und für welche die Atmosphäre im Stadion eh nur noch zweitrangig ist. Wir sind keine Jukebox, zu der ein bequemes Publikum gehen kann, um sich die persönlichen Lieblingslieder zu wünschen. Wer im Stadion also nicht an der akustischen Unterstützung teilnimmt (und das sind heute leider viel zu viele), wird sich auch inhaltlich wenig Gehör bei uns verschaffen können – dasselbe gilt übrigens auch für ellenlange Stimmungsdiskussionen im Internet.

Doch zurück zum Thema, den aufmerksamen BeobachterInnen der deutschsprachigen Fanlandschaft wird nicht entgangen sein, dass vor einigen Jahren ein Prozess eingesetzt hat, in dessen Verlauf sich die akustische Unterstützung weg vom traditionellen englischem Vorbild des „Supports“ hin zu einem Verständnis der häufig in Italien, Frankreich und Südosteuropa anzutreffenden Philosophie der Anfeuerung geführt hat, die dort landläufig als „Tifo“ bezeichnet wird. Dabei wäre es falsch zu glauben, dass diese Umorientierung bereits abgeschlossen sei, in Deutschland gibt es nach wie vor nur sehr wenige Kurven, die ihre akustische Unterstützung komplett am „italienischen Modell“ ausrichten, einige Kurven eher „kleinerer“ Vereine wie etwa Zwickau, St. Pauli und Karlsruhe mit einflussreichen Ultràgruppierungen an der Spitze bilden eher die Ausnahme, und selbst hier gibt es verschiedene Ansichten. Bei den meisten Vereinen im deutschsprachigen Raum muss man jedoch von Mischformen sprechen, die sich sowohl am englischen, als auch am italienischen Stil orientieren, wenn auch in sehr unterschiedlicher Ausprägung.
Ohne hier allzu sehr ins Detail gehen zu können, es bleibt natürlich die Frage, inwiefern sich diese verschiedenen Ausrichtungen überhaupt unterscheiden und welche Ideen hinter der jeweiligen Philosophie stecken.

Beginnen wir zunächst mit dem „englischen Modell“, dem traditionellen Support: Dem Support wird nachgesagt, dass er sich eher spontan entlädt, eben um die eigene Mannschaft in bestimmten Spielsituationen gemäß der wortgetreuen Übersetzung „zu unterstützen“. Der Support ist also am Spielgeschehen und der Leistung des eigenen Teams orientiert, dementsprechend äußert er sich häufig in solchen Situationen, welche auf die Anhänger den Eindruck machen, für den Ausgang des Spieles entscheidend zu sein, beispielsweise in einer starken Drangphase der eigenen oder der gegnerischen Mannschaft. Nicht selten weisen Kommentatoren von Fußballspielen darauf hin, die Fans würden merken, dass die Mannschaft sie jetzt (in einer bestimmten Situation) brauchen würde. Diese Fixierung auf das Spielgeschehen brachte dem Support auch das Prädikat „spielbezogen“ ein, welches von den Verfechtern eines „Support-Stils“ heute häufig verwendet wird. Um auf gewisse Spielsituationen angemessen reagieren zu können, beschränkt sich das Repertoire eher auf kurze, einfache Schlachtrufe, die meistens direkt auf das Spielgeschehen gemünzt sind. Beispiele hierfür finden sich in der Südkurve in Rufen wie „Hinein, hinein“ vor Eckbällen und Freistößen, Schmähgesängen gegen verletzte Spieler der gegnerischen Mannschaft („Steh auf du Sau“), aber auch Pfiffe als Zeichen der Unzufriedenheit, Raunen der Erleichterung oder der Enttäuschung und Szenenapplaus können durchaus als typische Elemente des Supports bezeichnet werden.

Wie oben bereits angedeutet liegt dem Support der Gedanke zugrunde, dass die eigene Mannschaft in gewissen Situationen auf die Reaktion des Publikums angewiesen ist. So liegt die Priorität zum Beispiel darauf, das Team „wachzurütteln“ oder die Aggressivität der Spieler zu steigern und dies lässt sich gemäß dieser Philosophie am besten dadurch erreichen, dass spontan möglichst einfache (weil massenkompatible) und durchschlagskräftige Schlachtrufe angestimmt werden. Der „Supporter“ hofft also, eine Art Trainerfunktion ausüben und abhängig vom Spielgeschehen Einfluss auf dieses nehmen zu können.

Weil die Art der Anfeuerung vom Spielgeschehen abhängig gemacht wird, ist eine Koordination praktisch nicht vonnöten, schließlich würde sie ja die Flexibilität der akustischen Unterstützung eher hemmen, als sie zu fördern. Auch spielt die Kreativität der Gesänge keine allzu große Rolle, vielmehr soll die Mannschaft mit einfachen Schlachtrufen erreicht werden und so ist es kein Wunder, dass neue Gesänge innerhalb der „Support-Ära“ eher die Ausnahme darstellten, nachdem der Stamm der Lieder und Schlachtrufe vorhanden war. Außerdem könnten sich besonders kreative und komplizierte Gesänge mit viel Text negativ auf die Durchschlagskraft des Supports auswirken, da diese das Publikum möglicherweise überfordern würden. Auch andere Elemente von Fankultur wie Fahnen, Schalparaden und Hüpfeinlagen spielen eher eine untergeordnete Rolle, sie können sogar als störend empfunden werden, da sie möglicherweise die Aufmerksamkeit vom Spielgeschehen ablenken und somit der angemessenen Einflussnahme auf das Spielgeschehen im Wege stehen könnten. Ja sogar Stehplätze sind für den Support nicht unbedingt notwendig, da die primären Ziele des Supports (aufmerksames Verfolgen des Spielgeschehens und bei Bedarf der Versuch direkter Einflussnahme) gemäß seiner Logik auch problemlos im Sitzen zu erreichen sind.

Kommen wir nun zum „Tifo“, der Einfachheit halber auch als „italienisches Modell“ bezeichnet: Im Gegensatz zum Support ist der Tifo geprägt durch langanhaltende, phantasievolle Gesänge in wechselnder Intensität, ein hohes Ausmaß an Koordination und einer Vielzahl an optischen Hilfsmitteln wie Fahnen, Pyrotechnik und Choreographien. Er dient der Inszenierung eines Kurvenspektakels, welches in erster Linie die Kreativität, Treue, Macht und den FANatismus der jeweiligen Fans ausdrücken soll. Die Spieler sollen zwar auch erreicht werden, allerdings geschieht dies anders als beim Support dadurch, dass sie durch das gebotene Spektakel in ihrer Leistung angetrieben werden. Wenn andere Stadionbesucher – wie wir – für eine spektakulär inszenierte Kurve Bewunderung empfinden können, so können das demnach auch die Spieler, und die Bewunderung für dieses Phänomen muss wiederum den Spielern Verpflichtung sein, auf dem Platz alles zu geben.

Dementsprechend liegt die Priorität beim Tifo auch darauf, den Spielern das größtmögliche Maß an Leidenschaft und Hingabe zu vermitteln, ihnen quasi Vorbild zu sein. So sind die Gesänge darauf ausgelegt, es den Fans in der Kurve zu ermöglichen, sich in diese Gesänge hineinzusteigern, sich in Ekstase zu singen. Dies kann beispielshalber dadurch erreicht werden, dass mitreißende Melodien verwendet werden, die bei anhaltendem Singen „Ohrwurm-Potential“ haben und – von Tausenden Fans getragen – eine unglaubliche, atmosphärische Wirkung erzielen können. Auch längere, phantasievolle Texte, welche die Hingabe einer Kurve ausdrücken, können einen Anreiz auf Spieler und andere Fans ausüben, ihren Einsatz zu steigern. Vom Inhalt einmal abgesehen wird zusätzlich unterbewusst ein Bild von der Leidenschaft jener Fans vermittelt, welche die oftmals sehr kreativen Gesänge erfunden haben. Auch der häufig fälschlich geäußerte Vorwurf des fehlenden Spielbezuges bewahrheitet sich bei genaueren Hinsehen nicht. Es ist nämlich keineswegs so, dass es in der Intensität der Gesänge keinerlei Unterschiede gibt, im Gegenteil, ein und dasselbe Lied kann binnen kurzer Zeit in seiner Lautstärke deutlich variieren und genauso an Fahrt auf- wie auch abnehmen – nicht selten abhängig vom jeweiligen Spielgeschehen, gleichzeitig aber auch unabhängig von diesem, da es letztendlich den Fans vorbehalten bleibt, ein gewisses Lied zu beleben oder auch abklingen zu lassen. Ob ein Lied letztendlich gut aufgenommen wird, lässt sich jedoch nicht nach ein paar wenigen Wiederholungen bestimmen, so kann es zum Beispiel vorkommen, dass ein Lied relativ schwach aufgenommen und fünf Minuten oder länger in schwacher Intensität vorgetragen wird, um plötzlich die ganze Kurve mitzureißen. Dementsprechend macht es wenig Sinn, Lieder lediglich kurz anzusingen, wie es beim Support der Fall ist, denn ähnlich wie die Spieler über den Kampf ins Spiel kommen, muss auch bei vielen Liedern eine gewisse Schwelle überwunden werden, bis diese wirklich lautstark zu Geltung kommen können – und lautstark können die Lieder durchaus sein, auch wenn viele „Supporter“ oftmals das Gegenteil behaupten und dies häufig dadurch zu belegen versuchen, indem sie bei längeren Liedern einfach nicht mitsingen. Warum Fan bei längeren, melodischen Liedern eigentlich nicht genauso laut (wenn nicht lauter) sein kann wie bei einfachen Schlachtrufen, eine plausible Antwort auf diese Frage blieb man uns bisher schuldig.

Um die akustische Unterstützung zu optimieren, werden oftmals Vorsänger eingesetzt, welche die Gesänge koordinieren sollen. Ihnen fällt die Aufgabe zu, ihre Kurve zu beobachten und ein Gespür dafür zu entwickeln, welches Lied gerade das Potential hätte, die Leidenschaft der Kurve bestmöglich wiederzugeben. Dabei ist es jedoch nicht so, dass die Vorsänger das Monopol auf die Auswahl der Lieder haben, schließlich hat es jeder in der Kurve selbst in der Hand, bestimmte Lieder vorzuschlagen, zu beleben oder eben nicht und somit zum Entschluss des Vorsängers beizutragen. Häufig werden neben Vorsängern auch Trommeln eingesetzt, die dazu beitragen sollen, dass der Rhythmus der Lieder gehalten wird und die Gesänge dementsprechend geschlossen vorgetragen werden, auch haben die Trommler zum Beispiel die Möglichkeit, durch Variieren der Trommeleinlagen Einfluss auf die Intensität der Gesänge auszuüben.

Letztlich werden beim Tifo auch häufig optische Hilfsmittel zur Inszenierung des Kurvenspektakels verwendet. Fahnen, Doppelhalter und Transparente dienen dazu, den Eindruck einer lebendigen, im Idealfall tobenden Kurve zu vermitteln, außerdem können mit ihrer Hilfe Botschaften unterschiedlicher Art ausgedrückt werden. Ähnlich verhält es sich bei Pyrotechnik in Form von bengalischen Feuern und bunten Rauchtöpfen, so können sie sowohl Ehrfurcht einflößen, als auch die Freude der Fans (zum Beispiel nach Toren) zum Ausdruck bringen. Ein weiteres Beispiel für die Inszenierung der Kurve und ihrer Fans zeigt sich in den Stadionchoreographien nach italienischem Vorbild, welche die unterschiedlichsten Aussagen beinhalten können, gleichzeitig aber auch immer die eigene Macht repräsentieren.
Ähnlich wie bei der akustischen Unterstützung verhält es sich bei den optischen Hilfsmitteln so, dass die Fans sich mit ihrem Einsatz nicht auf das bloße Reagieren beschränken. Im Vordergrund steht wieder das Ziel, den Spielern in Sachen Hingabe, Treue und Selbstvertrauen ein Vorbild zu sein, auch und gerade während des Spiels.
Der Tifo versucht immer eine Aussage zu vermitteln, nach dem Motto: „Ihr seid besser als eure Gegner, weil euer Verein besser als der des Gegners ist, weil eure Kurve besser als die des Gegners ist. Weil ihr Teil von etwas ganz Großem seid, weil die Fans ein derart großes Maß an Leidenschaft für den Verein aufbringen, dass es euch Verpflichtung ist, weil ihr ein Teil der Gemeinschaft eures Vereines seid und ihr die Energie dieses tosenden und lebendigen Fanblocks in euch aufnehmt.“

Eine solche Aussage kann sich nicht nur auf die Zeit vor und nach dem Spiel beschränken, sie muss kontinuierlich vermittelt werden und gerade in solchen Situationen, in denen das eigene Team auf ein Vorbild angewiesen ist. Und genau hier liegt unserer Meinung nach das Problem. Es ist nämlich nicht so, dass in der deutschsprachigen Fanszene nicht einzelne Elemente des Tifos übernommen worden sind, wie sich beispielsweise in der Verwendung von Fahnen, Choreographien und dem Singen von melodischen Liedern gezeigt hat. Diese Elemente werden meistens allerdings nur soweit eingesetzt, als dass sie die größtenteils noch vorherrschende Bevorzugung des Supports nicht stören. Dies äußert sich unter anderem in der hiesigen Fixierung auf Situationen wie das Einlaufen der Mannschaften, bei dem etwa riesige Choreographien oder ein Meer aus Fahnen geboten wird. Allerdings nur solange, bis dann das Spiel beginnt und Fan in seiner leidenschaftslosen Haltung verharrt, schließlich darf auch nicht eine Sekunde des Spiels verpasst werden. Vorhandene melodische Lieder werden ebenfalls benutzt, allerdings mit möglichst wenig Wiederholungen. Die Lieder werden sozusagen „verstümmelt“ und sind bereits im Vorfeld zum Scheitern verurteilt. Und das, obwohl die Mannschaft gerade in einer leidenschaftslos geführten Partie darauf angewiesen wäre, dass die Fans von sich aus Akzente setzen, anstatt sich in ihrer Zurückgezogenheit auf das Spielgeschehen selbst zu binden, aufs Reagieren zu beschränken und somit nie wirklichen Einfluss auf ihren Verein nehmen zu können. Die Idee des Tifos wurde aufgenommen, halb an- aber fast nirgends wirklich zuende gedacht und die heutige Situation resultiert nicht zuletzt aus der Fehlinterpretation des „italienischen Modells“ oder dessen, was sich „Supporter“ darunter vorstellen.

Wirklicher Tifo (wie er in München noch nie geherrscht hat und wahrscheinlich noch lange nicht herrschen wird) schließt für uns alle Vorteile des Supports mit ein, nur bietet er eine Vielzahl weiterer Vorteile. Die Chance, aus der eigenen Passivität auszubrechen, alle Hemmungen fallen zu lassen, sich in Gesängen zu verlieren und die Gemeinschaft der Fans zu zelebrieren – also nicht nur die Mannschaft (die teilweise aus Spielern ohne größeren Bezug zum Verein zusammengesetzt ist), sondern auch uns selbst zu feiern in einer Fußballwelt, die immer weniger auf seine Fans angewiesen zu sein scheint. Die eigene Kreativität beim Dichten neuer, anspruchsvoller Lieder auszuleben und in Eigenregie selbst Großes zu erschaffen – etwas, was in unserer Gesellschaft nur zu häufig Anderen vorbehalten bleibt. Die Verantwortung wahrzunehmen, Teil des Vereines (wenn nicht noch mehr) zu sein, ihn aktiv zu prägen und ein Selbstbewusstsein als Fans zu entwickeln.

Gerade letzteres ist aus unserer Sicht für das Weiterbestehen einer aktiven Fankultur aber unbedingt notwendig. In diesem Zusammenhang sehen wir es auch nicht als Zufall an, dass die supportorientierte britische Fankultur heute weitgehend zugrunde gerichtet ist, während sich die Fans anderer Länder zumindest ein gewisses Maß an Einfluss auf ihren Sport erhalten konnten, indem sie sich organisierten. So ist es auch durchaus interessant, wenn der Vertreter einer englischen Fanorganisation im Rahmen eines Treffens des „Bündnisses aktiver Fußball-Fans“ (BAFF) davon spricht, dass er wegen des allmählichen Umdenkens und der Existenz von organisierten Ultràgruppierungen noch Hoffnung für den Fortbestand einer unabhängigen Fanszene in Deutschland hegt. Für uns ein deutliches Zeichen dafür, dass wir mit unserer Philosophie auf dem richtigen Weg sind.

Zusätzlich müssen wir aber auch zeigen, dass wir mehr können, als nur niveaulos primitive Schlachtrufe zu grölen und damit sämtliche Klischees zu bedienen, welche Fußballfans zu dem Ruf verholfen haben, den sie heute in der Öffentlichkeit „genießen“. Natürlich müssen wir mit dem Nachteil leben, dass sich heute eine Art der Anfeuerung etabliert hat, die nicht mit unseren Vorstellungen übereinstimmt, Einige machen es sich sogar so leicht, dass sie behaupten, die Fans im deutschsprachigen Raum wären nun mal von Haus aus nicht so leidenschaftlich wie die in Südamerika oder auch in Südeuropa. Dementsprechend würde es auch keinen Sinn machen, unsere Art der Anfeuerung zu überdenken. Wenn etwas schwer fällt, lässt man es eben lieber bleiben, anstatt den inneren Schweinehund zu überwinden, auch mal auf die Nase zu fallen und an sich zu arbeiten.

Natürlich wissen wir, dass wir es nicht leicht haben werden, unsere Vorstellungen der akustischen Unterstützung in der Südkurve zu etablieren. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir sogar zugeben, dass auch den Gegnern des von uns bevorzugten Stils ein gewisses Maß an Verständnis für ihre Haltung gebührt. Schließlich dürfte es nicht leicht sein, über Jahre hinweg einen Support-Stil zu verfolgen, um dann von Fans mit anderen Erfahrungen vorgehalten zu bekommen, dass dieser Stil der falsche ist. Gleichzeitig wollen wir uns aber auch nicht von dem aus unserer Sicht richtigem Weg abbringen lassen, nur um die andere Seite zu befriedigen und dabei unsere Meinung zu verraten. Wir konnten teilweise die Erfahrung machen, dass ein Tifo wie wir ihn uns vorstellen möglich ist. Das eigentlich interessante dabei ist, dass diese Erfahrungen nicht nur aus dem Betrachten anderer Fankurven resultieren, nein, auch innerhalb der Fanszene des FC Bayern gab es teilweise schon Ansätze für so etwas wie Tifo, wenn auch nur in einem kleinen Rahmen.

Wir sind uns aber sicher, dass sich dieser Rahmen erweitern lässt, wenn es uns nur gelingt, unsere Erfahrungen auch anderen Fans näher zu bringen, denn Fakt ist, dass wir mit der derzeitigen Situation der Kurve nicht zufrieden sein können. Wir müssen zeigen, dass wir nicht nur blindlings einem Trend hinterherlaufen, sondern dass wir Gründe für unsere Art der Anfeuerung haben (dieser Text sollte dies ansatzweise belegen). Und natürlich müssen wir auf das Verständnis der Anderen bauen und daran arbeiten, dass uns das Vertrauen entgegengebracht wird, das für den Aufbau einer lauten, geistreichen und beeindruckenden Südkurve nötig ist.

Eindrücke aus dem Gelobten Land

In knapp 2 Wochen geht’s für uns und unsere Mannschaft nach Israel. Zur Einstimmung schon mal drei kleine Videos aus der Kurve unseres kommenden Gegners Maccabi Haifa, sowie von unseren guten Bekannten aus dem Alerta Netzwerk, den ULTRAS HAPOEL TEL AVIV.

Green Apes Maccabi Haifa

ULTRAS HAPOEL TEL AVIV