Großer Bruder, ich mag dich nicht (2) – Alltagsleben

Nachdem wir Peters Spuren im Internet verfolgt haben, wollen wir heute einmal betrachten welche Daten Peter mehr oder weniger freiwillig an die deutschen Behörden und Wirtschaftskonzerne übermittelt. Dazu schauen wir ihn während seines Tages ein wenig über die Schulter.

Es ist 7:00 Uhr morgens und Peter steht gerade auf. Natürlich schaltet er zuerst einmal sein Handy ein. Ab diesem Zeitpunkt wissen die Mobilfunkanbieter wo Peter sich befindet und können ihn binnen Minuten orten. Außerdem sind sie nach EU-Richtlinien verpflichtet die Zeit, die Nummer und die Dauer aller Telefonate und Kurzmitteilungen für die nächsten zwei Jahre zu speichern. Natürlich ist auch das Abhören des Handys durch die Polizei seit längerem kein Problem und ein immer häufiger eingesetztes Mittel. Nach Morgenhygiene und Frühstück setzt sich Peter an seinen Computer um die neusten Skripte für sein Studium auszudrucken. Welche Daten er über seinen Computer von sich preisgibt, schauen wir uns in einer der nächsten Ausgaben an, da dies ein Thema für sich ist. Uns interessiert heute erst mal Peters Laserdrucker. Dieser fügt jeder Seite, die er damit druck eine Winzige Markierung bei, auf der das Datum und die einmalige Seriennummer des Drucker angegeben ist. Nachdem dies alles erledigt ist, macht sich Peter auf in die Hochschule. Das er auf seinem Weg von vielen Kameras aufgenommen wird, dürfte ja nichts neues sein. Neu hingegen sind die technischen Fähigkeiten dieser Überwachungsmethode. So können die neuesten Kameras Pauls Gesicht erkennen und es mit einer Datenbank vergleichen. Diese sagt dem Wachmann oder der Behörde, sofern es ihn interessiert, alles über Peter. Angefangen bei seinem Alter, zum Kennzeichen bis hin zum Kennzeichen bis hin zu seinen begangenen Straftaten. Möglich wird dies durch so genannten „biometrische Daten“, die ab diesem Jahr zumindestens bei der Erstellung eines Reisepasses von den deutschen Behörden gemessen und natürlich gespeichert werden. Apropos neue Reisepässe: Da Peter oft zum Hopping in andere Länder fährt, hat er natürlich schon den neuen Reisepass, der mit einem RIFD-Chip ausgestattet ist. Dieser sendet ein schwaches Signal mit Peters Personalien und wird irgendwann einmal den Zollbeamten ersetzen. Klar, das lange Anstehen an Flughafen wird sich dadurch verkürzen aber überlegt einfach mal, was passiert wenn eine nicht staatliche Person diese Daten lesen könnte und speichert. Nach Peters erster Vorlesung hat er eine Freistunde und setzt sich in den Computerraum der FH. Natürlich wird auch dieses Zimmer videoüberwacht, doch nicht nur die Kameras beobachten Peter. Sämtliche Aktivitäten die er am Computer durchführt können eingesehen und nachvollzogen werden und natürlich speichert die FH auch diese Daten. Aber nicht nur Peter geht es so, 50% der Büroangestellten in Deutschland werden auf Schritt und Tritt im Internet von ihren Vorgesetzten überwacht. Da er im Internet nicht fündig wird, geht Peter noch einmal in die Bibliothek. Dreimal könnt ihr raten, was mit seiner Bücherausleihe passiert. Genau, sie wird gespeichert und analysiert. Dasselbe passiert übrigens zum Beispiel auch bei jeder Amazon.com-Bestellung. Selbst Eure Suchanfragen werden gespeichert und ausgewertet um eine möglichst genaues Kundenprofil von Euch und Peter zu erstellen. Nach diesem harten Tag wird Peter noch ein wenig fernsehen. Dank des digitalen Kabelfernsehers, das immer verbreiteter ist, können auch die privaten und öffentlichen Fernsehanstalten ein ganz genaues Profil Eures Fernsehverhaltens erstellen.
Du bist nie allein!

(Aus Azione Kaos- Gesammelte Werke von Red Kaos Zwickau)