Archiv für Dezember 2009

Basta Internet I+II

Merkwürdige Sachen lassen sich da in diversen Foren und Gästebüchern lesen. So zum Beispiel einige Kommentare nach der Erteilung von 59 willkürlich ausgesprochenen Stadionverboten gegen Mitglieder unserer Gruppe im April diesen Jahres: Dass sie (Namen würde ich gerne nennen, die Autoren zogen es jedoch vor, anonym zu bleiben) uns nicht vermissen werden, sie den Leuten jetzt die SM austreiben müssten oder uns anspucken – „sympolisch“, wie ein gewisser „Jemand-der-sich-Gedanken-machte“ erklärend vermerkt. Soviel Interesse an unserer Gruppe ehrt uns natürlich, aber ganz ehrlich, als wirklich nett sind solche geistigen Ergüsse wohl eher weniger einzustufen.
Es waren nicht zuletzt Kommentare wie diese, die uns bereits vor ca. drei Jahren zu dem Schritt bewogen haben, das Internet als Plattform für Diskussionen mit anderen Fans so gut es geht zu meiden. Seitdem gilt „Basta Internet“, soll heißen, dass Schickeria-MitgliederInnen dazu aufgerufen sind, auf Anfeindungen über das Internet nicht zu reagieren und sich auch sonst mit Einträgen in Foren und Gästebüchern im Namen der Gruppe zurückzuhalten. Zwar kommt es in seltenen Fällen noch vor, dass sich einige Leute in Foren verirren, deren Nicknamen auf eine Nähe zur Schickeria schließen lassen, gegeben ist diese Nähe jedoch so gut wie nie und im Großen und Ganzen wird das ausgesprochene Motto auch gut umgesetzt.
Leider birgt auch dies wieder einige Probleme, so haben es anonyme Autoren derzeit ziemlich leicht, via Internet ihre Halb- und Unwahrheiten zu verbreiten, was auch logisch ist, schließlich müssen sie nicht damit rechnen, dass wir zu ihren Anfeindungen Stellung beziehen. Sollten wir unsere Einstellung zum Thema Internet nicht also noch einmal überdenken, um unsere jeweilige Sichtweise zu begründen? Unsere Meinung nach nicht und zwar aus folgendem Grund:
Unserer Meinung nach sollte die Diskussion unter den Fans in erster Linie persönlich gesucht werden. Das liegt zum einen daran, dass sich im direkten Gespräch etwaige Missverständnisse häufig schon im Vorfeld ausräumen lassen, zum anderen erfüllt diese Art der Kommunikation für uns eine Art „Filterfunktion“. Nur zu häufig hat sich herausgestellt, dass sich hinter den anonymen Angriffen diverser Autoren Personen verbargen, die keinerlei Bezug zur aktiven Fanszene hatten. Warum sollten wir den Worten solcher Personen also das gleiche Gewicht beimessen, wie denen der wirklich aktiven Fans? Nur weil sie ihre Lethargie und Bequemlichkeit durch ständige Präsenz im Internet zu kompensieren versuchen? Wohl kaum…
Den Respekt innerhalb einer Fanszene muss man sich unserer Meinung nach zuerst durch Engagement verdienen, nur so kann gewährleistet werden, dass wir an unserer Leidenschaft für die gemeinsame Sache und an nichts anderem gemessen werden. Dass Einige die Anonymität des Internets nutzen, um sich möglichst bequem und ohne großen Aufwand in Szene zu setzen, widerspricht sich mit unserer Auffassung des Fan-Daseins. Dabei spielt es für uns nicht einmal eine große Rolle, ob die Verfasser sich einen Namen gemacht haben oder eben nicht, entscheidend ist das Kriterium, dass öffentliche Foren und Gästebücher den Anreiz bieten, sich selbst vor einer relativ großen „Forumsgemeinde“ profilieren zu können – immer auf Kosten Anderer und (wie sich herausgestellt hat) fast nie durch sachliche Argumentationen.
Anders ist hier der direkte Kontakt, schon allein deshalb, weil man hier die Verantwortung trägt, für getroffene Aussagen auch einstehen und diese notfalls begründen zu müssen. Und um Missverständnisse gleich auszuräumen, weder wollen wir überhaupt keinen Kontakt zu anderen Bayern-Fans, noch soll nur ein elitärer Kreis über Entwicklungen innerhalb einer Fanszene debattieren dürfen. Im Gegenteil, das direkte Gespräch und die Meinung anderer Stadionbesucher ist uns sehr wichtig. Nur sollten solche Gespräche in einem fairen und respektvollen Rahmen stattfinden.
Wenn ihr also an bestimmten Entwicklungen interessiert seid, solltet ihr uns also am besten persönlich ansprechen. Wir beißen nicht und die Möglichkeit zu einem klärenden Gespräch besteht fast immer. Unsere Mitglieder treffen sich beinahe täglich, sei es, um zu basteln, Aktionen zu planen oder einfach in Ruhe zusammen etwas zu trinken. Gerne könnt ihr auf uns zukommen, um uns beispielsweise am UltrAbend anzusprechen, der jeden Mittwoch in München stattfindet. Auch am „Streetworkbus“, der unseren von den Stadionverboten betroffenen MitgliederInnen am fuße der Esplanade als Anlaufpunkt dient, gibt es etliche Ansprechpartner. Der einfachste und unkomplizierteste Weg für ein Gespräch ist jedoch immer noch der im Stadion. Für Fragen, Kritik und Lob also einfach an den/die Südkurvenbladdlverteiler/in seines Vertrauens wenden. Und wer es aus Angst vor den ach so bösen Ultras nicht übers Herz bringt, uns persönlich anzuquatschen, dem bleibt immer noch die Möglichkeit, uns per Mail unter info@schickeria-muenchen.de zu erreichen.
Wir sind immer bereit, konstruktive Kritik entgegenzunehmen, dementsprechend wird es in nächster Zeit auch im Bladdl häufiger Texte wie diesen hier geben, die unsere Sichtweise zu bestimmten Themen verdeutlichen werden. Auf diese Weise erreichen wir auch die Fans im Stadion und nicht die Stubenhocker vor dem PC, denen wir eh keine sonderlich große Aufmerksamkeit schenken wollen.
Zum Abschluss noch die Empfehlung, mal hin und wieder auf „Verbindung trennen“ zu klicken und den Rest des Sommers zu genießen.

Part II

Besagter Leitsatz zählt eigentlich schon ziemlich lange für unsere Gruppe und wurde auch immer relativ gut eingehalten. Entsprechend gab es in diversen Internetforen kaum Beiträge von Mitgliedern oder Umfeld. Man konnte sich zurück lehnen und über die Dummheit anderer Gruppen und Personen lächeln, die sich besonders in vereinsübergreifenden Foren lächerlich machten oder Internas ausquatschten. Wer glaubt wirklich, er könne in Internet anonym oder in abgeschlossenen Bereichen sicher schreiben, ohne dass z.B. die Staatsmacht aber auch andere Gruppen daraus nutzen ziehen könnten, muss schon reichlich naiv sein. Wir konnten stolz darauf sein, dass in diversen sinnlosen Diskussion keine Statements unserer Gruppe oder von Mitgliedern zu finden waren. Kann München was dazu sagen? Nein, denn wir müssen uns nicht an sinnlosen Schwanzvergleichen oder dämlichen Diskussionen beteiligen. Das spricht für die Qualität unserer Gruppe. Wenn wer was von uns will, kann er uns direkt kontaktieren. Wenn wir etwas kommunizieren müssen, haben wir genug Medien dafür. Es gibt keinen Grund für weitere Kommunikation, schließlich müssen wir auch nicht mit halb Deutschland Internetkontakte pflegen.

In letzter Zeit finden sich in einschlägigen Foren immer öfter Beiträge von „Bayernfans“, die bewusst oder unbewusst eine Nähe zu unserer Gruppe oder das Vorhandensein von Insiderwissen suggerieren. Das ist nicht der Fall. Wer in der Mitte unserer Gruppe steht, wird sich bestimmt nicht in besagten Foren äußern. Natürlich kann man nicht verhindern, dass Mitläufer oder Außenstehende sich im Internet wichtig machen, weil sie sonst nichts zu sagen haben. Natürlich kann man auch niemandem verbieten, seine Freizeit vor dem PC in einer virtuellen Welt zu verbringen. Wer aber Internas Preis gibt, wird mit Konsequenzen rechnen müssen.

Basta Internet!

Kamera aus!

Fast schon haben wir uns daran gewöhnt, wenn die Herren von der Polizei bei jeder Gelegenheit rund um Fußballspiele mit unzähligen Kameras auf uns Fans drauf halten. Staatliche Totalkontrolle, der kein Gesicht und keine Handlung entgehen darf. Auch wenn es durchaus nervig ist, bleiben die Handlungsspielräume hier beschränkt. Gegen einen fast ebenso gefährlich und eigentlich noch nervigeren Trend können wir aber durchaus was machen: auch aus den Reihen der Fans wird inzwischen während des Spiels mit unzähligen Kameras und Handys auf die Fanblöcke gehalten. Nicht so schlimm, werdet ihr vielleicht denken, denn schließlich sind diese Bilder nicht dafür bestimmt, die Fanblöcke auszuspionieren, sondern sollen die Ereignisse im Fanblock festhalten. Schließlich kann man damit nach dem Spiel den Kumpels in der Disko zeigen, wie „ultra“ man am Samstagnachmittag mal wieder war. Dürfte ja eigentlich niemanden stören.
Dieser Trend, der mit den neuen Fotohandys seinen Durchbruch fand, birgt aber einige Gefahren, die absolut unnötig sind. Erstens bleiben die Bilder oder Videos, die meist auch noch als Nahaufnahmen die Gesichter der Leute im Fanblock zeigen, nicht im „kleinen Kreis“ der Kumpels. In der schönen neuen Welt des Internets muss jeder Hirsel seine Fotos und neuerdings auch Filme im Web platzieren und dort sind sie nicht nur den Herren von der Polizei zugänglich, sondern auch Fans anderer Vereine. Fotohandys und Kameras werden auch gerne mal kontrolliert.
Noch gewichtiger sollte aber sein, dass derjenige, der mit seiner Kamera „die Stimmung in der Kurve einfangen will“, sich der Natur der Sache nach nicht an selbiger beteiligen kann. Wenn, was schon vorgekommen sein soll, die Hälfte des Blocks die Stimmung festhalten will, tut sich der Rest natürlich deutlich schwerer, selbige alleine zu fabrizieren. Ganz davon abgesehen, dass er sich auch ziemlich dämlich vorkommt, den Clown für die Hobbyfilmemacher zu spielen.
Was können wir also tun?
Natürlich sollte sich jeder, der sich von diesen Zeilen angesprochen fühlt, einfach mal die Kamera in der Tasche lassen. Ich will hier niemandem zu nahe treten. Natürlich kann man den meisten Leuten unterstellen, dass sie sich der Probleme nicht bewusst waren und sich nichts Böses dabei gedacht haben. Wenn ich Euch zum Nachdenken angeregt habe, habe ich schon erreicht, was ich wollte.
Wer keinen Bock hat, dass sein Gesicht irgendwo in den Weiten des Internets auftaucht, sollte einfach mal den nächsten „Kameramann“ höflich aber bestimmt darauf hinweisen und ihn bitten, doch mitzusingen, statt die Stimmung der anderen zu konsumieren.
Fotos werdet ihr trotzdem noch finden, nämlich auf den Seiten der Leute, die das schon Jahre machen oder bei den Fanorganisationen, die diese zu günstigen Preisen zum Verkauf anbieten. Damit unterstützt ihr sogar noch die Aktionen. Eine Fankurve braucht keine 100 Fotografen sondern nur eine Hand voll. Vielmehr brauchen wir noch mehr Leute, die sich an der Stimmung beteiligen. Und davon brauchen wir momentan noch viel mehr….