Archiv für Oktober 2010

„Tifare Contro“ im Erscheinen

Das überaus lesenswerte altravita-Blog rührt die Werbetrommel, und zwar für das 2008 in Italien erschienene Buch „Tifare Contro“, welches jetzt auch in deutscher Sprache vorliegt. Übersetzt wurde das Werk von Kai Tippmann, der auch erwähntes Blog betreibt und uns damit immer wieder interessante Einblicke in die Geschehnisse rund um den italienischen Fußball gewährt.

Zum Buch: Der Autor Giovanni Francesio, selbst Kurvengänger und Ultra‘, erzählt die Geschichte der italienischen Ultras von 1968 bis 2007. Anhand einschneidender Ereignisse – meist Eskaltaionen der Gewalt – beleuchtet er die Entwicklung der Ultra‘-Bewegung von ihrem Ursprung im linksradikalen Straßenkampf bis zur Erschießung des Lazio Fan Gabriele Sandri durch den Polizisten Luigi Spaccoratella auf einer Autobahnraststätte. Dabei kommen auch selbstkritische Töne nicht zu kurz. Genaueres zum Inhalt erfahrt ihr hier.

Cover "Tifare Contro - eine Geschichte der italienischen Ultras"

Die Rechte an diesem Buch dürften übrigens nicht allzu billig gewesen sein und stellen somit für den Verlag - der auch das Blickfang Ultra' verlegt und bei dem auch schon "Anstoß in Baku" erschienen ist - ein großes finanzielles dar.Nur wenn diese Übersetzung finanziell kein Desaster wird, können wir darauf hoffen, dass mehr Literatur zu unserer Subkultur den Weg vom Stiefel über die Alpen findet. Trinkt nächsten Monat ein paar Bier weniger und holt Euch dieses Buch für schlappe 10 Euro. Es ist eine der wenigen Gelgenheiten einmal Lektüre aus dem Mutterland der Bewegung auf deutsch lesen zu können. Zögert deshalb nicht, das Buch ist eigentlich ein Pflichtkauf für jeden Ultra'. Eine bessere Darstellung der Geschichte der italienischen Ultras werdet ihr in deutscher Sprache nirgends finden.
Wer sich gerne vor dem Kauf noch ein genaueres Bild von Buch und Übersetzer machen möchte, sei ebenso wie alle anderen Interssierten auf diese Veranstaltung verwiesen:

Vorankündigung: Lesung/Diskussion „Tifare contro“ – Geschichte der Ultras in Italien

Wir präsentieren nach dem Heimspiel gegen Eintracht am Samstag, den 27. November eine Lesung mit Diskussionsrunde zu dem nun auf deutsch erschienenen Buch „Tifare Contro“. Das Buch handelt von der Geschichte der Ultras in Italien, von der Gründung der ersten Gruppierung bis zum Tod des Fans Gabriele Sandri, die Geschichte von 1968 bis 2007.
Ein unverblümtes Buch, worin ohne großes Drumherumreden die Geschichte der italienischen Kurven erzählt wird. Aus Sicht von jemandem, der die Kurve gelebt hat.
Merkt Euch den Termin vor! Rund um die nächsten Spiele erhaltet ihr dann weitere, detailliertere Infos rund um die Veranstaltung!

Wir freuen uns auf Eurer Kommen – Munichmaniacs 1996

Kleiner Demonachtrag

Einige richtig gute Fotos, die uns zumindest bisher entgangen waren, findet Ihr hier.

Außerdem dürfte es den meisten ja bekannt sein, dass sich bei youtube jede Menge Videos von der Demo finden lassen.
Hier eine kleine Kostprobe:

Zusätzlich wollen wir auch nochmal auf unseren Redebeitrag hinweisen:

„ Am 29. Januar 1995 stirbt Vincenzo Spagnolo, Ultrà von Genoa durch eine Messerattacke eines Mitglieds einer Splittergruppe Mailänder Ultras.

Bereits seit Beginn der 80iger Jahre war es in Italien zu einigen Todesfällen rund um Auseinandersetzungen der Ultras gekommen, da zu diesem Zeitpunkt ein Mitglieder-Boom und damit ein Generationswechsel innerhalb der Ultras einsetzte. Die alten Gruppen verloren an Einfluss, viele Splittergruppen wenden sich von den alteingesessenen Gruppen ab und damit veränderten sich auch die Werte der Ultras.

Der Tod von Vincenzo Spagnolo und dessen Umstände führen dazu, dass sich die Ultras erstmals treffen und über ihren Umgang mit Gewalt reden. Heraus kommt die Resolution BASTA LAME, BASTA INFAMI – Schluss mit den Messern, Schluss mit der Schande!

Das Scheitern dieser Initiative, die der Versuch war die Selbstregulierung innerhalb der Kurven zu retten, stellt für viele den Anfang des Endes der Ultras in Italien dar.

Roberto Massucci, Sekretär des Osservatorio Nazionale sulle Manifestazioni Sportive, der staatlichen Stelle die unter anderem darüber entscheidet, welche Spiele der italienischen Ligen zu Sicherheitsspielen ohne Gästefans erklärt werden, äußerte sich Anfang des Jahres in einem Interview für den Ballesterer dahingehend, dass sie, der Staat, die Logik der Ultras brechen wollen. Gezielt werden definierende Elemente der Ultra-Kultur wie Trommeln oder Fahnen verboten. Dabei ist es absurd einen Zusammenhang dieser Elemente mit Gewalt herzustellen.

Dass angesichts all dieser unfassbaren und unrechtmäßigen Maßnahmen und Äußerungen kein Aufschrei durch die italienische Öffentlichkeit geht, ist Anzeichen dafür, dass die Ultras ihren Stellenwert in der Gesellschaft verspielt haben. Einen Stellenwert den sie definitiv einmal hatten.

Italien ist das Mutterland der Ultras, wir schauen immer wieder nach Italien und trotz aller recht großen qualitativen Unterschiede stellt sich die Frage, ob sich bei uns zeitversetzt eine ähnliche Entwicklung vollzieht oder ob sich die Zustände nicht übertragen lassen. Können wir aus der Situation in Italien lernen?

Viele Gruppen bekunden in letzter Zeit öffentlichkeitswirksam, dass aus ihrer Sicht die Notwendigkeit besteht, das eigene Handeln zu reflektieren. Für uns stellt sich die Frage, ob die für diesen Schritt nötige Reife und auch wirklich einen Konsens darüber in den Szenen besteht.

Zu einer funktionierenden Selbstregulierung gehört nicht nur die Freiheit, die wir immer wieder einfordern, sondern auch dass die selbst auferlegten Regeln durchgesetzt werden.

Die Frage, die sich uns weiter stellt, ist, ob das was bei so einem Diskurs herauskommen könnte, eine Gratwanderung zwischen dem Maß an Rivalität, was für unser Selbstverständnis notwendig ist und der Einsicht, dass Gewalt für Ultras kein Selbstzweck ist, sich in der Öffentlichkeit überhaupt verkaufen ließe.

Dabei liegt es eigentlich auf der Hand, einem totalen Gewaltverzicht der Ultras steht nicht nur unsere Logik im Weg, sondern auch eine Notwendigkeit. Gewalt ist kein Phänomen der Ultras, Gewalt hat es beim Fußball schon immer gegeben und es wird sie auch ohne Ultras weiter geben. Wir Ultras aber könnten, sofern sowohl bei uns als auch bei denjenigen, die die Spielregeln in den Stadien festlegen der Wille zu einem ehrlichen Dialog besteht, diese Gewalt durch Kodizes und Regeln in Bahnen lenken, wir können aus einem Eigeninteresse heraus ihre Intensität, ihre Häufigkeit und den Stellenwert, den sie für die Jugendlichen in den Kurven hat, beschränken und wir könnten einen Großteil der Frustration, der Aggression, aber auch der Energie und der Emotionen in Choreographien, Tifo und Kurvenshows ablenken. Dafür brauchen wir Freiheit und die Kraft dies umzusetzen. Haben aber die Entscheidungsträger auf der anderen Seite so viel Mut? Haben wir den Willen und die Kraft dies umzusetzen?

Ich möchte nochmal einen Schritt zurück gehen und auf die Situation der Ultras in Deutschland eingehen. Zu einem Zeitpunkt, als viele Gruppen um 2000 rum noch in den Kinderschuhen steckten und die Situation in den Stadien ungewöhnlich friedlich aber auch langweilig und tot war, zu diesem Zeitpunkt als faktisch so gut wie keine Gewalt stattgefunden hat, wurden die entstehenden Ultras-Gruppen bereits mit unangemessener Repression der Polizei,der Vereine und der Verbände konfrontiert. Dies radikalisierte die Szene und prägt uns bis heute. Als ein einschneidendes Erlebnis für viele von uns stellt sich der Umgang mit Pyrotechnik dar. Zu diesem Zeitpunkt war Pyro in den Stadien weit verbreitet und Ausdruck von Leidenschaft und Emotionen. Die Kriminalisierung und Stigmatisierung von Pyrotechnik setzte gerade erst ein. Damals machten wir Ultras den Fehler, dass wir einen Kuhhandel eingingen und für vermeintliche Freiheiten und zugunsten eines angeblichen Dialogs auf dieses im großen und ganzen ungefährliches Stilmittel der Fankultur weitestgehend verzichteten, ja sogar Einfluss auf unser Umfeld dahingehend ausübten. Wir zeigten schon in diesem frühen Stadium, dass wir fähig sind Vereinbarungen einzuhalten und umzusetzen und dass wir verlässliche Gesprächspartner sind, deren Wort zählt. Als genau das stellte sich die Gegenseite nicht raus, uns wurde ins Gesicht gespuckt und unsere ausgestreckte Hand blieb unbeantwortet. Im Gegenteil, der Verzicht auf Pyro gilt heute als Selbstverständlichkeit, die Spirale der Repression drehte sich immer schneller. Statt Pyro müssen wir heute Fahnen schmuggeln. Die andere Seite hat eine Situation geschaffen, in der alles verboten und alles reglementiert ist und die Gewalt für viele das letzte Ausdrucksmittel bleibt. Durch ihre Stadionverbote werden unzählige junge Fans und Ultras sehr oft unbegründet und willkürlich aus den Stadien ausgesperrt und einer Situation ausgesetzt, in der schon im Vorfeld, gleichermaßen durch das Zutun von Fans und Polizei, ein Klima der Aggression herrscht.

Eigentlich bedarf es zwei Schritte der Gegenseite, bevor wir einen Schritt in ihre Richtung machen. Lasst uns trotzdem unseren Schritt unabhängig von den anderen machen, denn er liegt in unserem Interesse. Der Blick nach Italien zeigt, wie grau, trist und trostlos die Welt der „offiziellen Fans“ ohne die Ultras ist. Wir wollen aber eine Welt der Ultras, wie sie in Italien einmal war, mit bunten, kreativen und lauten Kurven. Egal ob es möglich ist dahin zu kommen, das Ziel ist es auf jeden Fall Wert den Weg dorthin mit einem ersten Schritt zu beginnen.

Ich möchte meine Rede mit einer Verbeugung vor der großen Geschichte der italienischen Ultras beenden und mit Trauer und Wehmut auf ihre derzeitige Situation blicken.

ULTRAS WIRD ES IMMER GEBEN!

Darüber, wie das Gesicht der Ultras hier bei uns in der Zukunft ausschauen wird, können wir, die Ultras selber und die Entscheidungsträger gleichermaßen entscheiden!“

Die Bayern kamen gerade recht…

Durch Äußerungen von Basler Polizei und Staatsanwaltschaft gegenüber den Medien sehen wir uns in unserem Verdacht bestätigt, dass es sich bei dem vollkommen überdimensionierten und unverhältnismäßigen Einsatz gegen Bayernfans vom vergangenen Dienstag um Maßnahmen handelte, welche dazu dienen sollten auf dem Rücken der Bayernfans ein möglichst spektakuläres und daher medienwirksames Exempel zu statuieren und zusätzlich den ausführenden Organen einen Imagegewinn zu verschaffen.

Dass dazu ein an sich unspektakulärer Vorfall herhalten musste, da ein spektakulärer „leider“ nicht vorhanden war, interessierte die verantwortlichen Handelnden anscheinend reichlich wenig. Der Plan wollte schließlich umgesetzt werden. Nur so ist es zu erklären, dass die Polizeipräsenz derart gestaltet war, dass einer handvoll Baselfans ein (vollkommen aussichtsloser) Angriff mitten in der Fußgängerzone überhaupt attraktiv erschien – unmittelbar danach aber überreichlich Polizeikräfte zur Verfügung standen. Die bereits vorbereiteten und mit Vereinswappen sowie Spielpaarung und –datum versehenen Zellen und den urplötzlich merkwürdig beschleunigten Verlauf der Vorgehensweise haben wir ja schon in unserer Stellungnahme angesprochen.

Leider mussten anscheinend einige Bayernfans herhalten um aufgrund vorhandener lokaler Sicherheitsprobleme das Image der Basler Sicherheitskräfte und Strafverfolgungsorgane aufzupolieren, vor der mitgereisten Münchner Polizeidelegation (u.a. der für die Einsätze in der Münchner Arena verantwortliche Polizeidirektor Süßbrich) möglichst tough dazustehen und ein medienwirksames Law-and-Order-Signal nach außen zu senden (u.a. nach Rom, da es beim Spiel Basel – Roma in der Saison 09/10 in Basel zu erheblichen Problemen kam). Wir dürften also Opfer einer politisch motivierten Vorgehensweise von Staatsanwaltschaft und Polizei geworden sein.

Beispielhaft hierfür seien einige Aussagen des Mediensprechers der Basler Polizei Klaus Mannhart gegenüber der Basellandschaftlichen Zeitung zitiert:

„ >Wären wir auf diese Situation nicht vorbereitet gewesen, hätten wir nicht umgehend eingreifen können.< …
Eine nicht alltägliche Anzahl von Festgenommenen, die alle verhört werden mussten. >Im Untergeschoss des Waaghofs besitzen wir eine Einrichtung, die einer solchen Anzahl gerecht wird< , verweist Mannhart auf das Untersuchungsgefängnis an der Heuwaage. >Wir stiessen dabei aber an die Grenze unserer Kapazität.< Darüber, dass sie das Spiel zwischen den beiden FCB nicht mehr würden sehen können, seien die Inhaftierten‚ >nicht sehr erfreut< gewesen, bemerkt Mannhart trocken.

Vor einem Hochrisikospiel, wie es die Champions League am Dienstag nach Basel brachte, informiere sich die Polizei frühzeitig, ob gewaltbereite Anhänger mit anreisen könnten, verweist Mannhart auf die Vorbereitungen der Basler Ordnungshüter. >Zum Beispiel findet ein Austausch mit den betreffenden Vereinen statt.< …
Ein Austausch wird nun auch via Medien stattfinden. >Der mediale Transport wird auch München beliefern< , ist Klaus Mannhart überzeugt. Oder Rom, wo Anhänger zu finden sind, die bereits in der Europa-League-Saison 2009 in Basel negativ aufgefallen waren. Mit ihrem Handeln habe die Basler Polizei gegenüber Gewaltbereiten ein Zeichen gesetzt, erklärt Mannhart: >Das hat grosse Signalwirkung und bedeutet: In Basel kann man nicht machen, was man will.< “
(„Hooligans müssen mit Anzeigen rechnen“, Basellandschaftliche Zeitung vom 30.09.2010)

Vielen Dank für diese Profilierungskampagne auf Kosten der Bayernfans liebe Verantwortliche in Basel!
Oder anders gesagt: Ein Unding und Skandal!

Willkür auf Schweizerisch

Knastfoto

Statt einem schönen Nachmittag in Basel mit anschließendem Spiel unseres FC Bayern durften wir die ganz besondere Gastfreundschaft des Schweizer Staates erleben, die wir so nicht erwartet hatten:

Ein Aspekt, der neben der sportlichen Bedeutung den Reiz an Europapokal-Auswärtsspielen für uns Fans ausmacht, ist die Tatsache, dass man mit dem FC Bayern zu diesen Anlässen verschiedenste Städte Europas besuchen kann. Wann kommt man sonst schon nach Barcelona, Lissabon, Madrid, London, Florenz, Bukarest oder St. Petersburg? Bei all diesen Namen – nur einige der Städte, die wir in letzter Zeit mit dem FC Bayern besuchen durften – dürfte jedem auffallen, dass diese Städte mehr bieten können als „nur“ 90 Minuten Spitzenfußball. Entsprechend ist es üblich, wenn nicht sogar Pflicht, mindestens ein paar Stunden in diesen Städten vor oder nach dem Spiel zu verbringen, um was von Land und Leuten zu sehen.

Nachdem wir bei der Einreise in die Schweiz per Bus eine extrem langwierige und ausführliche Grenzkontrolle über uns ergehen lassen mussten, obwohl die Schweiz mit Wirkung vom 12. Dezember 2008 dem Schengener Abkommen beigetreten ist, erreichten wir erst gegen 15 Uhr Basel. Um zumindest noch 2 – 3 Stunden etwas von der Stadt zu haben, machten wir uns vom Busparkplatz per Tram auf den Weg in die Innenstadt. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich dort bereits hunderte Bayernfans auf, die Plätze und Bars der Stadt bevölkerten. Wir waren keine 5 Minuten vor Ort, als es zu einer kurzen Auseinandersetzung mit einigen wenigen Baslern kam, die in Kamikaze-Manier unsere wesentlich größere Gruppe attackierten. Dies fand unter den Augen von szenekundigen Polizeibeamten aus Basel und München statt, die die Situation en detail beobachten konnten. Andere Polizeieinheiten waren auf dem belebten Platz erstaunlicherweise nicht präsent, dann aber auffallend schnell in immenser Anzahl zur Stelle.

Nun wurde uns zum zweiten Mal von Seiten der Schweizer Staatsgewalt deutlich gemacht, dass wir in Basel nicht willkommen sind! Da uns die Situation als geklärt und erledigt erschien und wir uns keiner Schuld bewusst waren, verblieben wir vor Ort. Daraufhin wurden im Nachhinein unsere Gruppe und andere Bayernfans eingekesselt und aus wenigen Metern Entfernung mit Gummischrotgewehren bedroht, obwohl wir uns davor lediglich gegen einen kleineren Übergriff in Selbstverteidigung gewehrt hatten. Diese Einschätzung der Lage, des zeitlichen Ablaufs sowie des geringen Ausmaßes des Geschehenen wurde sowohl von den anwesenden szenekundigen Beamten aus München und Basel als auch dem ebenfalls anwesenden Münchner Fanprojekt geteilt und so auch an den Einsatzleiter der Polizeieinheit kommuniziert. Dieser sowie die Staatsanwaltschaft entschieden trotzdem, dass die gesamte(!) Gruppe Bayernfans – wir halten fest: die Angegriffenen – festzunehmen sei. Man teilte uns mit, dass es nur darum ginge unsere Personalien festzustellen und wir dann das Spiel sehen könnten.

Stattdessen wurden wir in Gefangenentransportern mit Einzelkäfigen in Sammelzellen der Staatsanwaltschaft Basel gebracht, die bereits mit Logos der Vereine FC Basel und Bayern München gekennzeichnet waren. Dort wurde uns mitgeteilt, dass wir(?) des Raufhandels und des Landfriedensbruchs beschuldigt werden, und wir mussten uns einer langwierigen, entwürdigenden, bürokratischen und total verhältnislosen Prozedur unterziehen. Spätestens jetzt wurde jedem der über 50 Betroffenen klar, dass wir das Spiel nicht mehr sehen würden. In einer ellenlangen Prozedur wurden uns auf mehreren Stationen unsere persönlichen Gegenstände abgenommen, Fotos von uns gemacht, Befragungen durchgeführt und die Fingerabdrücke abgenommen! Bei Durchsuchungen mussten wir uns komplett nackt(!) entkleiden.

Wir wollen hierbei festhalten, dass wir uns trotz diesem an uns begangenen Unrecht durchweg kooperativ verhielten – immer getrieben von der naiven Hoffnung, dass dies doch gar nicht sein könne und wir vielleicht doch noch irgendetwas vom Spiel zu sehen bekämen. Selbst die vor Ort mit uns beschäftigten Beamten teilten verschiedenen Betroffenen immer wieder mit, dass sie die Maßnahmen und deren Ausmaß ebenfalls nicht verstehen würden und dies in Basel auch sonst wegen eines solchen „Anlasses“ nicht üblich sei.

Komischerweise ging nachdem das Spiel vorbei war, alles recht zügig und es wurde bei einigen Leuten teilweise auf bestimmte Stationen des Durchlaufs, bei anderen komplett auf eine Befragung verzichtet. Jetzt wollte man uns – nachdem man uns den Tag gehörig versaut und das beschauliche Basel vor solch „gemeingefährlichen“ Typen wie uns geschützt hatte – anscheinend nur noch los werden. Das komplette durchlaufenen Prozedere, die erfahrenen Erniedrigungen und das stundenlange eingesperrt sein, erwiesen sich somit als reine Hinhaltetaktik. Das Ganze zog sich bis fast 1 Uhr hin, bis die letzten das Gefängnis verlassen durften. Die Befragung der angesprochenen szenekundigen Beamten habe ergeben, dass wir angegriffen worden seien und uns nur verteidigt hätten und deswegen seien wir freizulassen.

Angesichts dessen, dass wir ohne ersichtlichen Anlass und völlig unverhältnismäßig stundenlang eingesperrt und erkennungsdienstlich behandelt worden waren und das Spiel des FC Bayern verpasst hatten, für welches wir nach Basel gefahren waren, konnten wir dies nur als puren Hohn wahrnehmen! Schließlich handelte es sich hierbei ja keineswegs um eine neue Erkenntnis, sondern dies war von Beginn an bekannt und von Augenzeugen aus den Reihen der Polizei dem Einsatzleiter kommuniziert worden. Auch die Aussage, es hätte sich dabei nur um eine einmal in Gang gebrachte bürokratische Routine gemäß der „Schweizer Gesetzeslage“ gehandelt, war angesichts der oben angesprochenen spätabendlichen „Beschleunigung“ nicht mehr als blanker Hohn. Fast die Hälfte der Betroffenen wurde nicht mehr erkennungsdienstlich behandelt, da dieser so unverzichtbare Automatismus anscheinend nicht mehr nötig war, als man Dienstschluss und uns aus der Stadt haben wollte.

Für uns drängt sich aufgrund der Ereignisse der Verdacht auf, dass es von Anfang an Plan war, die unliebsamen „organisierten Fangruppen“ zumindest bis Spielbeginn, wenn nicht sogar – wie dann auch geschehen – bis Spielende einzusperren!

Dafür spricht ebenfalls, dass eine weitere per Bus angereiste Fangruppe von mindestens 30 Personen auf dem Weg in die Innenstadt ebenfalls abgefangen und eingesperrt wurde. Da bei dieser Gruppe nicht mal wie bei uns der Fall vorlag, dass sie sich gegen einen Angriff hatte wehren müssen, dauerte deren „Präventivhaft“ nur bis kurz vor Spielbeginn, so dass sie großzügigerweise im Laufe der ersten Halbzeit ins Stadion gehen konnten.

Etwas, das uns leider verwehrt blieb.

Explizit bedanken wollen wir uns noch bei den Vertretern des FC Bayern. Ein Mitarbeiter der Fanbetreuung wurde Augenzeuge des Vorfalls, versuchte ebenfalls in unserem Sinne bei Einsatzleiter und Staatsanwaltschaft zu intervenieren und sprach uns im Nachhinein das Bedauern über das Geschehene im Namen des Vereins aus.