GABRIELE UNVERGESSEN

„WER VERGISST IST KOMPLIZE!“

Dieses Spruchband war vergangenen Dienstag in unserem Block beim Europapokalspiel des FC Bayern bei der Roma zu lesen. Schon beim Heimspiel gegen Nürnberg zeigte die Südkurve mehrere Spruchbänder, da sich der Todestag Gabriele Sandris am 11. November zum dritten Mal jährte. „GABBO VIVE! ACAB!“ Leider scheint gewissen Herrschaften sehr wohl daran gelegen zu sein, dass Gabriele Sandri und mit ihm die Umstände seines Todes in Vergessenheit geraten. Darunter die selben ehrenwerten Herren, die den Mörder Sandris in einem Prozess, der mehr Farce als Gerichtsverfahren war, wegen fahrlässiger Tötung (!) nur zu einer geringen Strafe verurteilten. Der Mörder ist ein Polizist, der nachweislich quer über die Autobahn von der gegenüberliegenden Raststätte aus auf das davonfahrende Auto schoss, in dem Gabriele saß und tödlich getrofen wurde. Angeblich um eine kleine Auseinandersetzung zu beenden, die offensichtlich schon beendet war. Schließlich saßen die Lazio-Fans schon in ihrem Auto und fuhren davon. Ein Wahnsinn!

Statt den Mörder angemessen zu bestrafen, lies der italienische Staat in den folgenden Jahren die Fans aller Vereine pauschal zahlen. „EIN POLIZIST TÖTET EINEN FAN UND NUR DIE FANS SOLLEN BEZAHLEN? WAS FÜR EINE LOGIK?“ Die Entwicklung in Italien haben wir in letzter Zeit (leider) allzuoft thematisieren müssen. Vergangenen Dienstag durften die angereisten Bayernfans am eigenen Leib erfahren, wie traurig es um die Situation in den italienischen Stadien bestellt ist. „DIE PASSION DES ITALIENISCHEN CALCIO WAR VORBILD IN EUROPA! POLITIKER UND HEUCHLER HABEN SIE ZERSTÖRT! SCHANDE!“ „WENN NIEMAND MEHR IM STADION IST, HABT IHR 100% SICHERHEIT! GEWALT BEKÄMPFT, INDEM MAN DEN FUSSBALL ZERSTÖRT HAT – BRAVO!“ Die Tragödie um Gabriele steht nicht am Anfang dieser Entwicklung, sie stellt aber einen Einschnitt in dieser dar, die eine enorme Verschlechterung der Situation bedeutete.

Doch Gabriele soll, wenn es nach den grauen Herren geht, in Vergessenheit geraten. Der Wunsch vieler zehntausend Menschen nach einer Gedenktafel für Gabriele an dem Ort, an dem er ermordet wurde, wurde von der Autobahn-Betreibergesellschaft abgelehnt. Man könne nicht für jedes Unfallopfer eine Gedenktafel anbringen. Es geht dabei nicht mal mehr um die Wahrheit, die mit aller Macht verschleiert wird. Es wäre lediglich eine Geste der Menschlichkeit gewesen, doch auch die wurde der Familie und den Freunden von Gabriele verweigert. Gabriele ist aber nicht „nur“ ein Opfer, erst recht nicht das eines Unfalls. Gabriele war ein ganz normaler Fan und dass er erschossen wurde war nur ein Zufall, denn gemeint waren wir alle. GABRIELE SANDRI – EINER VON UNS!

Als eine kleine Geste haben wir auf unserer Rückfahrt aus Rom an der Raststätte Badia al Pino Est eine kleine Metallplatte mit folgendem Text installiert und in einem würdevollen Moment Gabriele gedacht.

„Auf dieser Raststätte wurde am 11. November 2007 Gabriele Sandri von einem Polizisten ermordet. Gabriele wurde am 23. September 1981 geboren.
Ruhe in Frieden“

Diese Aktion soll unseren Wunsch ausdrücken, dass die Verantwortlichen zurück zur Menschlichkeit finden und ein würdevolles Andenken ermöglichen, manifestiert in einer angemessenen Gedenktafel. Der jetzige Zustand ist eine Schande.

„GABRIELE SANDRI VIVE!“