Archiv für Januar 2011

Lech Poznan in Zürich

Heute gibt’s mal wieder eine Kleinigkeit für die Augen.

Kleine Korrektur: Das Spiel wurde nicht in Zürich ausgetragen, sondern in St. Gallen.

Zeichen der Ultras: Über die Bedeutung der Zaunfahne

Über die Bedeutung DER Zaunfahne für uns Ultras etwas zu schreiben ist gar nicht nicht so einfach, schließlich ist diese Bedeutung jedem klar, es sind ungeschriebene Gesetze, und das macht es so schwierig, was darüber zu schreiben. Deswegen will ich mich von verschiedenen Seiten her dem Thema nähern und verschiedene Aspekte beschreiben, so dass sich am Ende wie bei einem Puzzle für Euch ein (Gesamt-)Bild ergibt. Die Zaunfahne ist sowas wie das Herzstück einer Gruppe. Sie symbolisiert nach außen „HALLO, WIR SIND DA, WIR SIND DIE ULTRAS!“. Direkt hinter ihr versammelt sich die Gruppe bei den Spielen. Genauso wie die Gruppe ihren festen Platz in der Kurve hat, hat die Fahne ihren festen Platz am Zaun und markiert den Standort der Gruppe. Sie repräsentiert die Gruppe. Aus ihrer Größe/Länge und der „Lage“, an der sie aufgehängt wird, kann man die Bedeutung der Gruppe ablesen. Der Hauptgruppe steht eine entsprechend große Fahne zentral hinter dem Tor zu (soweit die Gruppe dort auch steht…). Die Fahne hat bei jedem Spiel zu hängen, bei dem die Gruppe anwesend ist (also jedem Spiel). Die Art und Weise, wie die Zaunfahne gestaltet ist, sagt etwas über den Stil der Gruppe aus (wenn nicht die Zaunfahne, was dann?). In unserem Fall also ein eher schlichter, traditioneller Stil. Für uns war dabei auch immer wichtig unsere Zaunfahne nicht all zu oft zu wechseln (von den außergewöhnlichen Anlässen, wie Duisburg und Würzburg mal abgesehen). Gerade wenn man das jugendliche Alter unserer oder anderer Gruppen in Deutschland sieht, gehört es sich Respekt zu haben vor der Historie und Lebensdauer anderer Gruppen im Ausland und vor allem im Mutterland Italien. Dann erscheint es uns aber unsinnig, nach jedem Jahr die Zaunfahne zu wechseln. Warum soll Gruppe XY aus Deutschland, die gerade erst sieben, acht Jahre existiert in diesem kurzen Zeitraum schon fünf, sechs „Lappen“ (noch so eine Sache, wie manche Ultras ihre Fahne abwertend so bezeichnen können, in diesem Fall aber absichtlich so gewählt) an ihren Zaun gehängt haben, während manche altehrwürdige Gruppe in Italien KONSTANT über zehn oder sogar 20 Jahre die gleiche Fahne stolz vor ihre Kurve hängt? Erstens wäre das in meinen Augen anmaßend gegenüber den Vorbildern jenseits der Alpen. Zweitens ist für mich die Zaunfahne auch ein Symbol für die Konstanz und die Werte der Gruppe. Wer sie jedes Jahr wie eine Modekollektion wechselt, wechselt vielleicht genauso schnell Inhalte, Ideale und Werte.
Über die Zaunfahne werden oft kleinere Fahnen gehängt, die zeigen sollen, dass Mitglieder einer befreundeten Gruppe zu Gast sind (das Aufhängen der eigenen Fahne bei Freunden und umgekehrt ist für uns ein sehr, sehr starkes Symbol, mit dem nicht zu leichtfertig umgegangen werden sollte) oder die auf eine besonders wichtige Thematik aufmerksam machen sollen.
Wer sich mit dem Thema Zaunfahnen beschäftigt, kommt um das Ziehen bzw. den Verlust von Zaunfahnen nicht herum. Wer dem Feind oder Rivalen eine Zaunfahne zieht, demütigt ihn aufs Äußerste. Genauso ist der Verlust der eigenen Zaunfahne die größte Schmach. Anhand aktueller Beispiele wurde ja erst kürzlich ausführlich darüber diskutiert, ob der Verlust der Zaunfahne eine Auflösung der Gruppe nach sich ziehen muss. In dieser Diskussion hört man oft die Formel raus, der Verlust der Heimzaunfahne müsse eine Auflösung nach sich ziehen, der Verlust der Auswärtsfahne sei noch zu verkraften. Dies halte ich für absolut verkürzt. Erstens hat die Heimzaunfahne zwar natürlich einen noch höheren Stellenwert, die Auswärtsfahne ist aber genauso wichtiges Symbol der Gruppe und die Gruppe hat dafür zu sorgen sich und die Fahne auch auswärts angemessen verteidigen zu können. Zweitens hängt der Verlust der Zaunfahne in der Regel auch mit anderen Umständen – seien diese interne oder externe Gegebenheiten – und der Art und Weise des Verlust zusammen, was bei der Entscheidung der Gruppe berücksichtigt werden muss. Ohne Frage gehe ich davon aus, dass diese Entscheidung in der Regel auf eine Auflösung hinauslaufen muss, will man sich selber noch in die Augen schauen können (nur um das klar zu stellen!). Natürlich führt uns dieser Fall zu weiteren schwierigen Fragen, schließlich hört man mit diesem Tag X nicht auf Ultrà zu sein, der Gruppe einfach einen anderen Namen zu geben und wie vorher weiter zu machen, ist allerdings auch äußerst fragwürdig. Eine Problematik, die ich an dieser Stelle gar nicht zu Ende denken will und mir deswegen fest vornehme, alles in meiner Macht stehende zu tun, dass es nicht dazu kommt. Ich gehe davon aus, dass Ihr dabei mit mir seid!

Eine weitere, nicht minder schwierige und umstrittene Problematik ergibt sich, wenn Polizei oder Ordner Hand an die Zaunfahne anlegen. Sei es, dass die Fahne von Ordnern vom Innenraum her aufgehängt werden muss, diese bei einem bestimmten Spiel oder sogar generell verboten ist oder sogar konfisziert wird. Kein Bulle oder Ordner hat unsere Fahne anzufassen. Was aber, wenn wir sie aufgrund der Repression nicht im Stadion aufhängen können? Ist das nicht auch eine zu große Schmach? Erstmal liegt der Unterschied auf der Hand, dass Ultras untereinander einem bestimmten Kodex folgen und in gewisser Weise eine Art „Waffengleichheit“ herrscht, während die Polizei am längeren Hebel sitzt, machen kann was sie will und ihren Kontrahenten mit über die Auseinandersetzung weit hinausgehenden schwerwiegenden Konsequenzen belegen kann und tut. Die Problematik bleibt trotzdem bestehen und für einige sind bei diesem Thema Grenzen überschritten. Wenn die Zaunfahne diese hohe Bedeutung habe (die ich in diesem Text schon ausführlich beschreiben habe), dann müssten wir hier doch eine Grenze ziehen und sagen nicht weiter oder Konsequenzen daraus ziehen, wenn doch Konsequenz so wichtig für unsere Kultur sei. Einerseits ist dies natürlich richtig. Andererseits beziehen sich diese Beschreibungen auch auf einen Idealzustand, in dem die (Macht- und Geld-)Interessen der Bosse nicht so einen wahnsinnigen Einfluss auf die Kurven nehmen und sich Fankultur frei in einem kreativen Wettkampf untereinander entfalten kann. Dass wir von diesem Idealzustand weit entfernt sind, ist kein Geheimnis und war es auch nicht, als wir angefangen haben, unseren Weg zu gehen. Wer also hier Konsequenz fordert, hätte sich schon vor Jahren in der Erde verbuddeln müssen. Wir haben den Kampf aufgenommen und es war von Anfang an klar, dass wir dafür Opfer bringen und uns clever verhalten müssen. Letztendlich ist es ja auch jedes mal ein kleiner Sieg, wenn eine verbotene Zaunfahne doch den Weg ins Stadion schafft und am Zaun hängt, ein kleiner Sieg der wieder neue Kraft für die nächste Schlacht gibt.
Wenn sie glauben, sie können uns dadurch besiegen, dass sie unsere Zaunfahnen verbieten, irren sie, denn sie sind zwar ein wichtiges Symbol unserer Kultur, kämpfen tun wir aber für unsere Art zu leben.
Den Ultras ein langes Leben!

Impressionen aus Doha

Hier ein paar Eindrücke rund um das Testspiel in Katar