Ultras gegen Mubarak

Anfang letzten Jahres präsentierten wir Euch hier auf dem GDS-Blog zwei Videos von der Anhängerschaft des ägyptischen Vereins al-Ahly. Dass uns die Ultras Ahlawy als führende Gruppe der dortigen Fanszene nun in der Berichterstattung über die Proteste gegen das Regime Husni Mubaraks erneut begegnet, hat uns allerdings doch etwas überrascht. Unter dem Titel „Die ägyptische Fußballrevolution“ berichtet die Schweizer Zeitung 20 Minuten auf ihrer Website über die Beteiligung der Fans an den täglichen Demonstrationen und Auseinandersetzungen mit den angeheuerten Schergen des Regimes. Die Ultras verteidigten zusammen mit Anhängern des Lokalrivalen Zamalek und weiteren Aktivisten die bis dahin weitgehend friedlichen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz gegen die von der Regierung initiierte Gegenbewegung, errichteten Straßenbarrikaden und kümmerten sich um eine effektive Organisation der Abläufe auf dem Platz. In einem Land, in dem aufgrund des nunmehr fast zwei Dekaden andauernden Ausnahmezustands selbst gewöhnliche Straßendemonstrationen verboten sind, bilden die Ultras die einzige Gruppe unter den Demonstranten, die über eine gewisse Erfahrung in der offenen Konfrontation mit den staatlichen Repressionsorganen verfügt. Im Zuge einer Auseinandersetzung letztes Jahr bei der die al-Ahly Ultras eine Polizeisperre überrannten, die sie daran hindern sollte, Pyrotechnik und Zaunfahnen mit ins Stadion zu bringen, meinte ein führendes Mitglied der Gruppe: „ Es gibt keinen politischen Wettbewerb [in Ägypten], also findet der Wettbewerb im Fußballstadion statt. Wir tun, was wir tun müssen, gegen Regeln, die wir für falsch halten.“
Der Fußball ist neben der Religion eine der beiden Parallelwelten, in die sich die Ägypter fliehen können, um der politischen und wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit in ihrem Land zu entkommen.
„Fußball ist größer als Politik. Es geht dabei um Wirklichkeitsflucht. Der durchschnittilche Ahly-Fan, ist ein Typ mit einer Einzimmer-Wohnung, die er sich mit seiner Frau, der Schwiegermutter und fünf Kindern teilt. Er verdient den Mindestlohn und sein Leben ist scheiße. Das einzig positive in seinem Leben, sind die zwei Stunden am Freitag an dem er ins Stadion geht und Ahly sieht, sagt ein Capo der Ultras Ahlawy, „die Menschen hier leiden, aber wenn Ahly gewinnt, dann lachen sie.“

Die Ultras tragen also einen gewichtigen Teil zum Gelingen der Proteste gegen Mubarak bei. Folgt man dem beliebten Blogger Alaa Abd el-Fattah sogar den Wichtigsten. Bei einem Interview mit dem katarischen Sender al-Jazeera witzelte er: „Die Ultras haben bisher eine bedeutendere Rolle als irgendeine politische Gruppierung gespielt. Vielleicht sollten wir sie fragen, ob sie nicht das Land regieren wollen?“

Hat Tip: mideastsoccer

Weitere Hintergründe zu Fußball und Politik in Ägypten bieten folgende sehr hörenswerte Radio-Reportage (leider nur auf Englisch): The Power and the Passion sowie der obenstehende Link zum Blog von James M. Dorsey.