Brief aus dem „Parterre“ der Curva Fiesole

Ein Brief von einem der „Noi Non Tesserati“ aus dem „Parterre“ der Curva Fiesole in Florenz, veröffentlicht im Supertifo Ausgabe Oktober 2010 (nach der „Übernahme“ des Supertifo u.a. durch Domenico Mungo). Ist selbst (von daher sicher einige Fehler drin) und außerdem an einigen Stellen recht frei übersetzt. Aber ein Text mitten aus der Kurve, der trifft, anregt, anspornt. Ein Text, der, wenn auch in gänzlich anderem Kontext, Parallelen zur aktuellen Situation in München aufweist

„Am Tag nach dem Pakt der Einheit der Kurve, in Bezug die Pfiffe der „Normalos“ und die Ehre, die Ultras Viola von jeher zu sein: ungezähmt, frei, stolz. Die letzten in die Fiorentina verliebten Rebellen. Diesen Brief haben wir erhalten und veröffentlichen ihn gerne.

Das ist der richtige Geist. Der vom vergangenen Sonntag gegen Parma. Ich habe sofort die Pfiffe und das Nichteinverständnis des ein oder anderen aus dem oberen Bereich realisiert, als wir die Kurve betraten, so wie es auch gegen Napoli geschehen ist, aber es ist legitim. Desinformation, Spießbürgertum, Oberflächlichkeit, aus der Menge den Mund aufreißen – das ist die Gewohnheit des Herdenvolks, das nicht versteht und nicht sehen will, dass die Gründe derer, die Kämpfe austragen wie denjenigen gegen die Tessera, alle betreffen, auch sie. Dies ist das Problem der sogenannten kritischen Minderheiten: sie werden praktisch nie von der Mehrheit unterstützt, aber ohne ihre Arbeit würde das Einheitsdenken noch mehr dominieren. Das, was wir Sonntag getan haben und v.a. das, was wir in den vorangegangenen Wochen getan hatten, zwischen Versammlungen, Kontakten, Entscheidungen, Versöhnungen, Duldungen, gegenseitigen Klarstellungen, ist etwas außergewöhnliches für die Fiesole. Jetzt wissen wir, wieviele wir sind, wer wir sind, auf wen man sich verlassen kann und wer fahle Scheinheiligkeit und nicht nachvollziehbare Verhaltensweisen bestätigt hat. Jetzt ist das Parterre eine Realität, minoritär, noch zersplittert, aber real, echt, lebendig. Einige unbezähmbare Alte und viele überzeugte Junge. Ich war am Sonntag drinnen und vor allem draußen gerührt, ich hatte Gänsehaut, ich war da um mit anderen wie mir meine alte Fiesole zu koordinieren und die Fiesole pulsierte wie damals. Wir sind immer noch mutig und selbstbewusst, dreiste und naive Träumer. Nur so kann man wieder zu den Ultras der Fiorentina werden, hinter keinem zurückstehend. Wir dürfen nicht an die Pfiffe der Clowns von fiorentina.it denken, wir dürfen nicht an einen lächerlichen Verein denken, der uns nicht verdient, und auch nicht an ein Publikum, das uns eigentlich danken müsste weil wir noch eine halbe Stunde nach Spielende rennen und die Neapolitaner verfolgen, die unsere Jungs in der Dunkelheit abstechen; wir fahren nach Genua ohne Tessera, wir singen im Regen bis wir uns die Kehle ruinieren… aber das weiß der nicht, der vom letzten Rang aus pfeift… aber dennoch ist auch er ein Fan der Viola, seine Unterstützung dient der Fiorentina und er wird von uns trotzdem respektiert, auch wenn er ein bürgerlicher Gutmensch ist, voller politisch korrekter Vorurteile… Wenn Du ins Parterre kommst, bring Deine Freunde mit, beschnuppere Dich mit anderen, suche die, die so sind wie Du, und bildet eine Bande; kommt zu den Versammlungen, ihr die ihr kommen könnt, informiert Euch, nehmt an den Aktionen teil, organisiert Euch für die Auswärtsfahrten, bringt violette Fahnen und Schals mit, macht Doppelhalter, erfindet Gesänge… seid ultras viola!

Avanti Curva Fiesole! Uniti si vince!“