Pogrome gegen Roma-Minderheit in Bulgarien – Spruchband Napoli

Ende September hat es in Bulgarien rassistisch-motivierte Demonstrationen und Ausschreitungen gegen Roma gegeben. Vorgeschobener „Auslöser“ dieser Übergriffe war der Unfalltod eines Jugendlichen in dem kleinen südbulgarischen Ort Katuniza, der von Angehörigen der Minderheit der Roma mit einem Kleinbus überfahren worden war. Tatsächlich explodierte ein Pulverfass, an das rechtsradikale Parteien mit ihrer rassistischen Hetze Feuer gelegt haben. Ein von Ressentiments, Vorurteilen und Fremdenfeindlichkeit charakterisierter Hass auf die Roma-Minderheit herrscht schon lange vor und war die Grundlage für diese Eskalation gegen eine Bevölkerungsgruppe, die fast 10 % der Gesamtbevölkerung ausmacht. Der Hass auf „die Zigeuner“ ist dabei eine einfache Antwort auf schwierige Fragen. Sie werden für Kriminalität verantwortlich gemacht, dabei sind sie gesellschaftlich ausgegrenzt und haben KEINEN Zugang zu Bildung und Arbeit. Darüber, was Ursache und Wirkung ist, macht sich niemand Gedanken, es ist ja auch schließlich einfacher, das „Fremde“ für die Probleme verantwortlich zu machen. Ein gefährlicher Gedankengang, der für rassistische Hetzer weltweit zentral ist. In Bulgarien sind „halt die Zigeuner an allem Schuld.“ Damit ist Bulgarien allerdings kein Einzelfall, in vielen osteuropäischen Ländern agiert ein rassistischer Mob und der Staat schaut bewusst zu. Wir haben uns schon vor einiger Zeit mit dieser Situation im Rahmen eines Alerta!-Actionday beschäftigt. Damals haben wir unter anderem mit einem Vortrag eines Experten vor allem auf die immer stärker werdende rechtsradikale Szene bei ukrainischen und weissrussischen Fußballvereinen geschaut. Die Situation hat sich in der Zwischenzeit alles andere als verbessert und auch in die Pogrome in Bulgarien waren organisierte Fans involviert. Es ist nicht zu bestreiten, dass Rechtsradikalismus ein großes Problem vieler osteuropäischer Fußballszenen ist. Hierauf gilt es einen kritischen, aber auch differenzierten Blick zu werfen, denn die Augen vor diesen Problemen zu verschließen und einfach wegzuschauen ist genauso der falsche Weg, wie hier selber nach einfachen Antworten zu suchen.

Es ist auch falsch, nur den Zeigefinger auf andere zu richten. Letztes Jahr gab es massive Übergriffe französischer Polizisten gegen lokale Roma, die nach Osteuropa abgeschoben werden sollten. Rassistische Einstellungen sind auch in westeuropäischen Ländern Mehrheitsmeinung. Rassismus ist aber überall die falsche Antwort auf gesellschaftliche Probleme!

Beim Kurt-Landauer-Turnier 2011 haben wir uns mit der Situation bulgarischer Arbeitssklaven in München beschäftigt. Da sie in Bulgarien keine Arbeit finden, kommen sie nach München, um im Bahnhofsviertel unter prekären Umständen zu leben und ihre Arbeitskraft gegen einen Hungerlohn auf dem so genannten „Arbeitsstrich“ anzubieten. Selbige haben jetzt vergangenen Samstag mit einer Demonstration auf die Situation in Bulgarien aufmerksam gemacht, da ihre Familien akut bedroht sind. Sie berichten Erschreckendes:

„Abi K., Angehöriger der türkischen Minderheit Bulgariens, ist am Freitag, den 29.09. aus Pasardschik in Bulgarien nach München gekommen. Er berichtet noch am selben Tag: ‚Seit vier Tagen traut sich im türkischen Viertel unserer Stadt keiner mehr aus dem Haus. Wir haben Angst, können nicht mehr schlafen, nicht mehr in die Arbeit oder zum Einkaufen gehen und die Kinder nicht mehr in die Schule. Unser Viertel wird von organisierten Schlägertrupps, die meist vermummt auf Motorrädern anrücken, angegriffen. Erst gestern wurden wieder fünf oder sechs Leute aus der Nachbarschaft verprügelt. Die Polizei hat zwar das Viertel umstellt um uns zu schützen, aber die Hilfe von der Polizei ist nur halbherzig, die Schläger kommen trotzdem ins Viertel und verprügeln uns, wir haben kein Vertrauen in die Polizei. Als ich heute nach München gefahren bin, sagte der bulgarische Grenzpolizist, ich solle nicht flüchten, sondern in Bulgarien bleiben, um zu sterben – das wäre besser.‘“

GEGEN RASSISMUS IM STADION UND ÜBERALL! ALERTA!

Den „Auslöser“ der Vorfälle und einige Hintergründe bringt folgender Artikel ziemlich gut auf den Punkt: www.heise.de/tp/artikel/35/35568/1.html
Den Aufruf zur Demo findet Ihr hier: http://inizivi.antira.info/2011/10/06/angehorige-bulgarischer-minderheiten-protestieren-in-munchen-gegen-pogrome-in-bulgarien-sie-haben-grose-angst-um-ihre-familien-und-rufen-auf-zu-solidaritat
Den dazugehörigen Bericht hier:
http://inizivi.antira.info/2011/10/09/demo-gegen-pogrome-in-bulgarien-und-rassismus/

Quelle: SKB FC Bayern – Hertha BSC 11/12