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Filmtipp: Tom meets Zizou

Nachdem sich einige unserer Mitglieder schon selbst ein Bild machen konnten, wollen wir Euch heute mal einen kleinen Kinotipp aussprechen. Tom meets Zizou erzählt die Geschichte eines talentierten Fußballers im deutschen Profigeschäft. Acht Jahre lang begleitete Filmemacher Aljoscha Pause den Mittelfeldspieler Thomas Broich auf seinem Weg von Burghausen nach Gladbach, Köln und Nürnberg und schließlich auch in die A-League nach Australien. Er zeichnet dabei das Bild eines Sportlers, der einerseits keine Lust auf den großen Fußballzirkus zu haben schien, sich aber andererseits auch gerne in den Medien als der „andere“ Fußballer inszenierte (und vielleicht muss man auch fragen, ob er das mit diesem Film nicht sogar weiterhin tut). Gleichzeitig erfahren wir dabei einiges, was hinter den Kulissen der großen Bühne Bundeliga abläuft. Wie persönliche Differenzen ganze Karrieren gefährden können, wie Spieler aufgrund gewisser Charakterzüge von den Medien gehypt werden, nur um kurze Zeit später ob dergleichen wieder ins Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik zu geraten…

Keiner von uns ist ein großer Feuilletonist, weshalb wir Euch für weitere Infos zum Film einfach auf folgende Links verweisen möchten:
Offizielle Filmhomepage
Rezension von Critic.de
Rezension reeses sportkultur

Ab 11.08. läuft der Film in München im Monopol. Für andere Städte siehe hier.

Um Euch schon mal einen kleinen Vorgeschmack zu bieten, hier die Trailer:

Domenico Mungo: „Cani Sciolti“

Heute wollen wir schon mal ein wenig die Werbetrommel für ein noch dieses Jahr im Burkhardt&Partner Verlag erscheindendes Buch rühren. Mr. Altravita Kai Tippmann hat sich – nachdem er bereits Tifare Contro vom Italienischen ins Deutsche übertrug – an die Übersetzung einer von Domenico Mungo zusammengestellten Textsammlung aus der Welt der italienischen Ultras gemacht.

Domenico Mungo war selbst lange Zeit ein führender Kopf bei den Ultras der Fiorentina und hat sich maßgeblich an der Gründung der „Noi Non Tesserati“ beteiligt, die nun im Parterre der Curva Fiesole versuchen, den Geist der Vergangenheit weiter zu bewahren. Sein Buch gibt einen ungeschönten, authentischen Einblick in die italienischen Kurven der 80er und 90er Jahre.

Eine ausfühliche Rezension der italienischen Originalausgabe findet ihr hier.

Und als Vorgeschmack auf die deutsche Ausgabe, hier ein kleiner Auszug, der mit „Alkohol und Adrenalin“ überschrieben ist:

…Ultrà zu sein ist eine Haltung, von der du erst im Lauf der Zeit merkst, dass du sie hast… es ist eine ontologische Dimension, eine Art sich zu den anderen Komponenten dieser Scheißgesellschaft in Beziehung zu setzen, eine vielleicht unerklärbare Lebenshaltung…
Etwas, das du erst nach einer gewissen Zahl an Auswärtsfahrten verstehen kannst. Nachdem du dir auf der Gepäckablage des Zugs den Rücken verbeult hast, auf der du die ganze Nacht versucht hast, ein Auge zuzumachen. Nachdem du ein längst schon trockenes und geschmackfreies Brötchen mit 10 Leuten geteilt hast. Nachdem du eine ganze Woche geackert hast, nur um das zusammenzukratzen, was ein beschissenes Kurventicket kostet. Nachdem du dich stundenlang hinter den Sträuchern des Bahnhofs Caserta versteckt hast, um auf den vorbeikommenden Zug aufzuspringen, der dich in diese verfickte Feindstadt bringt, wo du genau weißt, dass sie dich fertigmachen wollen, weil du sie damals im Hinspiel bis in den Zug geprügelt hattest. Nachdem du bis um 4 Uhr morgens an einem Transpi gemalt hast, mit dem du den Gutmenschen und Wohlmeinenden das in die Fresse rotzt, was diese niemals wissen wollen. Nachdem du um 8 Uhr morgens am Hauptbahnhof deiner Heimatstadt angekommen bist, und nach Hause rennst für eine schnelle Dusche, weil du in ein paar Stunden eine wichtige Prüfung hast. Nachdem du keinen Cent mehr in den Taschen hast, weil das Geld für diesen Vielfraß von Anwalt aufzutreiben war, der die Verteidigung von deinem Kumpel übernimmt, der 15 Tage Knast und 3 Monate Hausarrest dafür bekommen hat, weil er schuldig ist, Ultrà zu sein. Nachdem du dich jedweder Würde beraubt gesehen hast, zusammengedrängt auf wenigen Quadratmetern gemeinsam mit weiteren 200 Personen und den Bullen, die deine Rebellion niederschlagen wollen mit dem stählernen Inneren von verkehrt herum gehaltenen Schlagstöcken, die dir nahelegen, auf den Knien zu bleiben. Nachdem du mit deinen Eltern gestritten hast, die in der Zeitung gelesen haben, du seist ein asozialer Rowdy, Kind einer gewalttätigen und kranken Gesellschaft. Nachdem du dein Mädchen verlassen hast, weil sie dir verboten hat, Auswärts zu fahren. Nachdem du im zweiten Studienjahr erst ganz wenige Prüfungen bestanden hast, weil in deinem Hirn immer noch die Eisenbahngleise poltern und das Krachen der Stöcke, die auf dem Helm irgendeines Polizisten zersplittern…
Ultrà sein heißt das Leben in Freiheit zu leben, und im Bewusstsein, dass irgendjemand dir völlig zufällig diese Freiheit nehmen kann, genau wenn du es am wenigsten erwartest…
Ultrà sein heißt, dies sowohl in der Kurve wie auch an der Uni zu sein, in der Kneipe wie in Bahnhöfen, in Buchhandlungen wie auf dem Stadionvorplatz von Bergamo, in Bibliotheken genauso wie vor einem Polizisten, der ein Mussolini-Tuch um den Hals geschlungen trägt, in den linken Sozialzentren wie auf dem Weg vom Bahnhof in den Auswärtsblock…
Ultrà sein heißt, seinen eigenen Widerstand 365 Tage im Jahr über 360 Grad zu leben, zu erlauben, dass sich das Adrenalin mit Alkohol mischt und eine Mixtur der gesunden Rebellion schafft…

Quelle

Gedanken zur IMK

Ultras warnen: „Innenministerkonferenz gefährlich“

Diesen Dienstag und Mittwoch findet in Frankfurt am Main die 192. Sitzung der Innenministerkonferenz (IMK) statt. Bei dieser Zusammenkunft besprechen die 16 Innenminister und -senatoren der Länder zusammen mit dem Bundesinnenminister aktuelle sicherheitspolitische Themen.

Wenn die Minister dabei über Sicherheit sprechen, haben sie aber vor allem leider nur eines Kopf: Anstatt sich ausführlich über Themen wie beispielsweise den Katastrophenschutz auszutauschen, geht es ihnen vor allem um die Sicherung ihrer eigenen Macht beziehungsweise der momentanen politischen Elite unseres Landes, deren Repräsentanten sie sind. Sicherheitspolitik bedeutet im Rahmen der IMK vor allem eines: Es geht um die Ausgrenzung und Kontrolle von sozialen Gruppen, die eine politische Position jenseits des von den politischen Eliten etablierten gesellschaftlichen Konsenses vertreten. Diese werden grundsätzlich als Gefahr für die demokratische Grundordnung dargestellt. Dabei werden progressive linke Ideen für eine ausgeglichenere Gesellschaftsordnung mit dem Gedankengut von Rassisten und religiösen Spinnern in einen Hut geworfen. Die Innenministerien der Länder legen fest, welche Beiträge in der Debatte über unser Zusammenleben noch zulässig sind und welche nicht. Differenzierung ist dabei nicht angesagt, denn von hauptsächlicher Bedeutung ist nur, die Herrschaft der momentanen Elite als alternativlos hinzustellen und ihr legales Instrumentarium zur Kontrolle der Gesellschaft zu erweitern.

Hierzu ist es hilfreich die Bürger nicht nur mit abstrakten und kaum greifbaren Gefahren wie „Internationalem Terrorismus“ oder „Linksextremen Revolutionsbestrebungen“ zu konfrontieren, sondern ihnen auch Bedrohungen zu präsentieren, die ihnen quasi tagtäglich vor der Haustür begegnen könnten. Und an genau dieser Stelle betreffen uns die Gespräche auf der Innenministerkonferenz nicht mehr ausschließlich als politisch denkende Menschen, sondern auch in unserer Eigenschaft als Fußballfan. Wir lassen uns nämlich vorzüglich als Schreckgespenst instrumentalisieren, das viele Durchschnittsbürger nach mehr Sicherheit schreien lässt. Schon fast jeder ist mal mit feiernden Fußballfans im Zug unterwegs gewesen und hat sich gegenüber der auf den ersten Blick relativ homogen wirkenden Gruppe etwas unsicher gefühlt, schließlich berichten die Medien ja nicht unbedingt zum Vorteil der Fußballanhänger. Da sind die Fußballfans im Allgemeinen und die Ultras im Speziellen schnell zu Feinden jeglicher öffentlichen Ordnung und einer Gefährdung von friedlebenden Menschen hochstilisiert. Kaum eine andere Intention kann hinter den kürzlich getroffenen Äußerungen des hessischen Innenministers und aktuellem IMK-Vorsitzenden Boris Rhein stehen. Er spricht sich für ein Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr und in Fußballstadien aus, da dieser die Fans oft erst völlig enthemme. Unterstützung findet Rhein in seinen Äußerungen dabei in einem für die vorangegangene IMK angefertigten Bericht in dem es heißt „[e]ine Einführung eines unternehmerischen Alkoholkonsumverbotes [durch die Verkehrsbetriebe] verfolgt das Ziel, dass die Verkehrsmittel des ÖPV dem eigentlichen (Transport-)Zweck folgend genutzt werden und Schäden bzw. Verschmutzung, u.a. aus Anlass des Fußballreiseverkehrs, vermieden werden.“ Man bedient geschickt und einfach das Klischee des betrunkenen, randalierenden Fußballfans, um bei den Bürgern ein Feindbild zu verfestigen. Der störende Fußballfan der mit verschiedenen Mitteln zur Ordnung gerufen muss, wobei ein Alkoholverbot hier freilich noch eher eine qualitative geringe Zwangsmaßnahme ist. Einen nächstmöglichen Schritt sieht der angesprochene Bericht der Bundespolizei allerdings schon vor. Ausdrücklich werden sogenannte Fanzüge gelobt. Diese haben für uns Fußballfans – bei einer angemessenen Preisgestaltung – sicher zweifellos einen Reiz; gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten auf Reisen zu gehen, ist jedes Mal eine schöne Erfahrung. Leider sind diese Züge aber auch meist teurer als die regulären Sparangebote der Bahn. Wirklich bedenklich wird das Lob für Sonderzüge allerdings, wenn man liest, dass die Bundespolizei der IMK die Separierung der Fangruppierung auf dem Reiseweg als großen Vorteil anpreist. Der Fußballfan soll auf seinen Reisen also möglichst wenig Kontakt mit seinen Mitmenschen haben. Als asozial abgestempelt muss der Rest der Gesellschaft vor ihm geschützt werden. Eine ganze Personengruppe wird somit pauschal zum Problemfall deklariert. Dies rechtfertigt auch ihre Begleitung durch einen oft überzogenen Sicherheitsapparat und eine Einschränkung ihrer persönlichen Bewegungsfreiheit. Ein Sicherheitsapparat, der in einer Zeit des zunehmenden Auseinanderdriftens zwischen Armen und Reichen, jederzeit zur Niederschlagung von sozialen Protesten genutzt werden könnte und auch bereits genutzt wird.

Bei seiner pauschalen Kritik an Fußballfans schafft es Innenminister Rhein dann aber doch etwas zu differenzieren, oder auf neusprech wohl eher „zu separieren“. Die größte Bedrohung geht für ihn zweifellos von den Ultras aus. In deren Gruppe würde ein Männlichkeitskult gepflegt, eine ausgeprägte Homophobie herrschen, Gewalt verherrlicht und die öffentliche Provokation geliebt. (Link) Neutrale Beobachter der Fankurven dürften sich über einige Äußerungen des aktuellen IMK-Vorsitzenden wundern. Es ist wohl unbestreitbar, dass in vielen Stadien der Republik insbesondere die Ultras durch massive Aufklärungsarbeit ganz besonders dazu beigetragen haben, dass homophobe Gesänge nicht mehr zum gesanglichen Standard-Repertoire der Kurven gehören. Dieser Vorwurf ist in seiner Undifferenziertheit und Breite absolut unhaltbar. Gleiches gilt für die anderen Anschuldigungen. Selbst beim Thema Gewalt – mit Sicherheit einem der kontroversesten Aspekte der Ultrabewegung – kann allerhöchstens von einem weniger heuchlerischen Umgang mit dem Phänomen gesprochen werden, die vom Innenminister implizierte Gewaltgeilheit ist weiten Teilen der Ultrabewegung fremd.

An einer genauen Analyse der Sachbestände besteht seitens der Innenminister allerdings auch keinerlei Interesse. Es geht bei der IMK vor allem darum Meinung zu machen, Ängste zu schüren und somit weitere Einschränkungen von Bürgerrechten und größere Befugnisse für die Sicherheitsbehörden vor dem Wahlvolk zu legitimieren. Als zu diskreditierende Gruppe ist dabei eine jede Recht: Flüchtlinge, Jugendliche oder Fußballfans. Das Ergebnis bleibt gleich: Die Repräsentanten des Staats kontrollieren immer mehr, unsere Rechte werden immer geringer. Lasst Euch das nicht gefallen, nicht als Fußballfans und nicht als freie Menschen.

Freiheit für die Ultras – Freiheit für die Bürger

weitere Links zum Thema:

IMK allgemein
Junge Welt
IMK auflösen“ Bündnisaufruf


Polizei späht Handydaten aus

sueddeutsche.de
taz.de
taz.de

Vorratsdatenspeicherung

sueddeutsche.de
taz.de

Zapatismus, Fussball und Rebellion

Hier findet Ihr einen Text über Zapatisten und Fussball in Südamerika und Italien. Am Ende wird das Torneo del Bae beschrieben, welches ab Donnerstag zusammen mit dem Alerta-Turnier in Venedig stattfinden wird. Lesenswert!

Ein guter Tag um Geschichte zu schreiben…

Sportartikelhersteller love Fankultur

Dass sich Fankultur prima vermarkten lässt, haben Fernsehsender, Sportartikelhersteller und andere schon längst registriert. Bei der Jagd nach Kunden, ist es ihnen dabei auch herzlich egal, ob die von ihnen instrumentalisierten Elemente der Fankultur, in den Augen der Polizei als illegal gelten.

So wird in einem Nike-Spot zum Frauenfußball (der nebenbei auch das ein oder andere Klischee bedient) fleißig auf den Rängen gezündelt, die Protagonistin sprintet mit dem Ball durch von den Tribünen wabernde Rauchschwaden und darf vor dem Reichstag ihre Pyromanie sogar noch selbst ausleben. Es zeigt sich sich also, auch Nike hat’s erkannt: Pyrotechnik ist kein Verbrechen.

Alte GDS-Ausgaben

Servus Bayernfans,
da wir das GEGEN DEN STROM zukünftig auch per Postversand vertreiben werden, haben wir uns entschieden auch ältere Ausgaben, die noch nicht ausverkauft sind, zu verschicken. Zu haben sind noch folgende Ausgaben:

GDS 2-05/06

Die festen Rubriken aus den vergangenen Nummern waren auch Bestandteil der Ausgabe GDS 2-05/06. Als Symbolik unserer Gruppe wurde „A Clockwork Orange“ vorgestellt, „München leuchtet“ beschäftigte sich mit dem heraufziehenden Unheil des Nationalsozialismus und der Kontrapunkt wurde von der zunehmenden Repression bestimmt. Das erste halbe Jahr im neuen Stadion am Stadtrand war von Verboten und zunehmendem Ärger mit der Polizei und nicht nur dadurch bedingt einer Stagnation der Entwicklung unserer Gruppe und auch der ganzen Kurve geprägt. Beide Themen zogen sich wie ein roter Faden durch diese Ausgabe. Die sehr ausführliche Vorstellung des Films „La Haine“ mit Bezug zu den Unruhen in den französischen Vorstädten trug dem Thema ebenfalls Rechnung. Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema Rassismus, unter anderem wurde anhand der Geschichte des „Judenclubs“ FC Bayern unsere Verantwortung sich gegen dieses Unheil zu engagieren verdeutlicht.

GDS 1-06/07

Das GDS 1-06/07 kam mit einem halben Jahr Verspätung, ein Jahr nach der letzten Ausgabe, heraus und umfasste daher die Spielberichte der Rückrunde 05/06 und der Hinrunde 06/07. Der Grund dafür war folgender: Auch die Redaktion des GDS war von den Stadionverboten aus Duisburg betroffen und entsprechend erstens erstmal mit anderen Dingen beschäftigt und zweitens auch bezüglich der Motivation am GDS zu arbeiten kurze Zeit etwas aus der Bahn geworfen. Das spiegelte sich in allen Aktivitäten der Gruppe wider. Während die Solidarität untereinander erfreulicherweise groß war und die Gruppe enger zusammen wuchs, wurde das Alltagsgeschäft verständlicherweise etwas schleifen gelassen. Letztendlich war und ist es aber genau Sinn und Zweck der Repression uns zu isolieren und von dem wegzubringen, was wir sind. Entsprechend war es auch ein Stück weit Antirepressions-Arbeit sich auch wieder auf die normalen Tätigkeiten zu besinnen und z.B. auch wieder beim Projekt „Gegen den Strom“ anzugreifen. Außer Spielberichten gab es im GDS noch ausführliche Berichte von unserem ersten Kurt-Landauer-Turnier und der Spielverderber-Demo zur WM 2006. Unsere Freunde von Ultrà Sankt Pauli standen uns Rede und Antwort und der Film „Sophie Scholl“ und die Münchner Widerstandsgruppe Weiße Rose wurden passend zum Thema Nazi-Zeit in der Rubrik „München leuchtet“ vorgestellt.

GDS 1-07/08

In der Rückrunde 06/07 kam es bekanntermaßen zum Zwischenfall von Würzburg, die Gruppe war im Schockzustand und alle Aktivitäten lagen auf Eis. Logischerweise war davon auch das GDS betroffen und die nächste Ausgabe erschien erst in der Winterpause 07/08. Wieder umfasste die Ausgabe 1-07/08 daher zwei Halbserien. Schwerpunkt war diesmal die Entwicklung unserer Südkurve und damit auch der Neuanfang, der mit einem neuen Miteinander unsere Kurve wieder voran brachte. Daneben gab es noch einige Berichte über alle möglichen Aktivitäten wie die Mondiali, die Neuauflage unseres Kurts, das Antira in Hamburg, die dritte Auflage unseres Ultrà in Concert und ein Interview mit dem Filmstadtinferno Babelsberg. Weiterer Schwerpunkt waren die Jahreshauptversammlung des FC Bayern mit dem bekannten Ausraster von Uli Hoeneß und dessen Nachbetrachtung in den Medien.

GDS Nr. 7 (08/09)

Mit der nächsten Ausgabe wurde das Nummerierungssystem des GDS geändert, vor die Saison wurde ab jetzt die laufende Nummer gestellt, hier die Nr. 7 veröffentlicht in der Saison 08/09. Diese Ausgabe war voll mit Spielberichten der Rückrunde 07/08 und einigen Berichten zu allen möglichen Aktivitäten unserer Gruppe. Passend zum Erfolg der gemeinsamen Südkurve wurde in der Reihe Symbolik die „72“ als Jahr der Eröffnung des Olympiastadions und damit unserer Südkurve erläutert. Mit der Geschichte der Rothosen wurde wieder ein Thema aus der erfolgreichen Historie unseres FC Bayern aufgegriffen und in einem Artikel eingehend auf die Situation der Ultras in Italien, dem Ursprung unserer Bewegung, eingegangen. Weiterer Schwerpunkt war eine Vorstellung der Jugendkultur „Mods“ und die Verwendung ihrer Symbole in den Kurven.

GDS Nr. 8 (08/09)

„Gegen den Strom“ Nr. 8 wurde in der Winterpause der Saison 08/09 veröffentlicht und war wieder prall gefüllt mit verschiedensten Themen, unter anderem wieder diversen Berichten der vielseitigen Aktivitäten unserer Gruppe, dem ersten Teil eines ausführlichen und grundlegenden Manifestes unserer Gruppe gegen den Modernen Fußball, einem Interview mit der Horda Azzuro Jena und einem Text über Cosmic inklusive einer beigelegten CD zum Reinhören. Die relativ neue Rubrik „Blick über den Tellerrand“ wurde mit einem Text über die Verbindung der Hafenstraße in Hamburg zur Fanszene des FC Sankt Pauli fortgesetzt und auch „München leuchtet“ fand nach einer Pause wieder Fortsetzung. In unserer Südkurve stagnierte in dieser Zeit leider die Entwicklung.

GDS Nr. 9 (09/10)

Diese Stagnation konnte auch in der Rückrunde nicht durchbrochen werden. Das GDS Nr. 9 kam dann pünktlich zu Beginn der Saison 09/10 heraus und befasste sich diesmal mit allen möglichen fanpolitischen Themen. So wurde das Manifest der Schickeria gegen den modernen Fußball fortgesetzt, sowie sich mit Datensammlungen, Erhalt von Stehplätzen, der Antirepressions-Arbeit unserer Gruppe und antirassistischen Turnieren in Lüttich und München beschäftigt und außerdem ausführlich über die Meisterschaft 1932 berichtet. „München leuchtet“ beschäftigte sich diesmal mit dem Münchner Original Karl Valentin, der „Blick über den Tellerrand“ mit dem Stadionneubau in Jena und der Kultur-Teil mit dem Krieg der Knöpfe.

Schreibt uns einfach eine Mail an info@schickeria-muenchen.org und gebt an, wieviele Exemplare Ihr von welcher Ausgabe haben wollt. Alle weiteren Infos bekommt Ihr dann per Mail.

Das GEGEN DEN STROM ist von uns für Bayernfans gemacht. Da wir selber aber auch gerne über den Tellerrand schauen und dafür Fanzines anderer Gruppen lesen, werden wir auch Hefte an Fans anderer Vereine verschicken. Wir behalten uns aber vor, Anfragen nicht zu berücksichtigen.

Von der aktuellen Ausgabe Nr. 10 sind nur noch wenige Exemplare über, die es ausschließlich am Streetworkbus zu kaufen gibt. Anfragen dazu sind zwecklos.

LESEN BILDET!

Fussballfan – der neue Staatsfeind

Die jüngsten Entwicklungen im allgemeinen Umgang mit Fans seitens der Vereine, der Verbände und vor allem der Medien haben inzwischen ein alarmierendes Ausmaß angenommen. Zweifellos ist es nachzuvollziehen, dass Vorfälle, wie jene, die sich in einigen Stadien Deutschlands in der Rückrunde der Saison 2009/2010 ereignet haben (Schwerverletze Fans durch Pyrotechnik in Nürnberg, den Platz stürmende Fans in Berlin), Untersuchungen und auch Folgen nach sich ziehen. Die Vereine haben schließlich das Hausrecht und müssen dafür Sorge tragen, dass die Sicherheit aller Zuschauer gewährleistet ist. Die Verbände DFB und DFL sind schon allein aus Gründen der Vermarktung an einem möglichst positiven Image ihres Produktes Bundesliga interessiert. Daher muss derjenige, der verbotene Dinge tut, auch mit Strafen rechnen. Wir leben nun einmal in einem Rechtsstaat bzw. fordern wir diesen ein.
Allerdings gilt es auch ganz allgemein zu bedenken, dass es bei Massenveranstaltungen wie den Spielen der Bundesliga niemals eine hundertprozentige Sicherheit geben kann. Wer etwas anderes behauptet oder anstrebt, lebt bzw. handelt fern der Realität. So wird also landauf, landab nach harten Konsequenzen geschrieen bzw. wurden diese mit den Urteilen der DFL im Frühjahr 2010 schon umgesetzt. Namentlich zu nennen sind leere (Gäste)kurven und personalisierte Tickets, also Strafen, die nicht die Verursacher der Randale allein bestrafen, sondern große Teile der Fans, im Zweifel alle. Doch das stört scheinbar nicht. Im Gegenteil: Von DFL und einigen Medien werden diese Strafen sogar gefeiert. Der Leiter des urteilenden Sportgerichtes Lorenz behauptet: „Damit treffen wir den randalierenden Fan direkt.“ Und z.B. Roland Funk schreibt in seinem Kommentar in der FAZ (23.03.2010), dass die Kollateralschäden an unschuldigen Fans hinnehmbar seien, solange nur der harte Kern auch bestraft wird. Zweifel an diesen Worten sind angebracht. Zu offensichtlich ist der eklatante Widerspruch, den eine Strafe für alle für die Tat einiger Weniger für unser Rechtsempfinden darstellt. Es ist doch auch undenkbar, dass alle Kunden beim Betreten eines Supermarktes ihre Personalien abgeben müssen, weil sie als potenzielle Ladendiebe gelten oder dass einen Tag in Stuttgart keine Autos fahren dürfen, weil wieder ein paar Verkehrssünder zu viel mit überhöhter Geschwindigkeit geblitzt wurden. Warum also werden bei den Fans nicht nur, wie sonst auch üblich, die Täter bestraft, sondern auch das nächstgrößere Kollektiv?
Zunächst geht es der DFL nach eigenen Bekunden darum, Zeichen zu setzen und künftige „Gewaltexzesse“ zu verhindern. Im Grunde ein guter Ansatz, doch Kollektivstrafen sind sicherlich kein geeignetes Mittel dazu. Die Maßnahmen erscheinen eher wie eine Verzweiflungstat und werden in Zukunft nur noch schwer zu toppen sein. Außerdem muss erwähnt werden, dass die Quote der Vorfälle mit Sach- oder Personenschäden bei den bislang geahndeten Vorfällen (Nürnberg, Hertha, Köln, Rostock und Dresden), trotz der sehr ausführlichen, aber leider wenig differenzierten, Medienberichterstattung zum Glück doch sehr gering ausfällt, wenn man sich mal die Menschenmasse vor Augen führt, die im Laufe einer ganzen Saison in die Bundesligastadien pilgert.

In jeder Großraumdisko gibt es mehr Ärger. Auch bei anderen Großraumveranstaltungen, wie beispielsweise dem Münchner Oktoberfest, werden mehr Straftaten aufgenommen als in einer gesamten Bundesligasaison. Die fehlende Relation erweckt daher den Anschein, die DFL würde mit ihren harten Strafen „mit Kanonen auf Spatzen“ schießen. In Wahrheit sollte jedoch wohl ein Exempel statuiert werden. Es sollte endgültig eines der bedeutendsten Probleme unseres Landes ins Visier genommen werden (Vorsicht Ironie!): Der unbequeme, eigensinnige, kritische und konsumunfreudige Fußballfan. Dem Treiben der Ultras sollte Einhalt geboten werden. Es wurden Kollektivstrafen in einem bis dato unbekannten Ausmaß verhängt. Damit zeigten Verbände wie Vereine überdeutlich, was sie von uns halten: Der gemeine Pöbel aus den Kurven ist ihnen suspekt. Waren wir lange Zeit noch als Pausenclowns geduldet, so werden wir nun zum unkontrollierbaren Sicherheitsrisiko degradiert. Durch ihre Unberechenbarkeit, ihre Unbequemlichkeit und ihre wieder anwachsende Macht sind die aktiven Fans den Bonzen ein Dorn im Auge und werden als unkontrollierbarer Faktor eine Gefahr für die Hauptinteressen am Fußball – dem Big Business.

Aber es geht, inoffiziell versteht sich, auch darum, die Fanszene an sich zu spalten. Durch die ständigen Hinweise auf „die Ultras“, egal ob beteiligt oder nicht, werden Klischees bedient, Vorurteile geschürt und Gräben geschaffen. Denn wer möchte schon mit diesen „Radaubrüdern“ in einen Topf geschmissen werden? Schwupps hat man „gute“ Fans und „böse“ Fans, die sich hoffentlich gegenseitig anfeinden, denn eine geschwächte, gespaltene Fanszene kann keine mächtigen Proteste gegen Kommerz, für bessere Anstoßzeiten oder gegen die emotionslose Spielweise der überbezahlten Profis organisieren. „Dividere et impera“ hieß das bei den alten Römern – „Teile und Herrsche“.
Abgesehen von den Beweggründen für die Verhängung von Kollektivstrafen ist es fraglich, ob die Maßnahmen ihr Ziel, die Befriedung der Kurven, erreichen. Bei personalisierten Eintrittskarten kann der Effekt getrost verneint werden. Auch wenn die Namen der Käufer bekannt sind, wer kann garantieren, dass nicht einer eine Fackel zündet oder über den Zaun springt? Außerdem bringt die Personalisierung nur etwas, wenn sie am Spieltag auch durch Ausweiskontrollen überwacht wird und das war nicht einmal bei der WM 2006 der Fall, weil der Aufwand bei 50.000 Stadionbesuchern viel zu hoch wäre. Daher haben nur die Fans unter einer weiteren Form der Schikane zu leiden, z.B. wenn sie eine Karte erwerben, dann aber doch nicht zum Spiel können und die Karte auf einen neuen Käufer umschreiben lassen müssen.

Auch mit den Aussperrungen ist das so eine Sache. Wenn ich ein Spiel nicht besuchen darf, weil drei Blöcke weiter einer ein Bengalo abfackelt, dann ärgert mich das natürlich. Aber auf wen bin ich dann sauer? Auf den für mich anonymen Zündler oder auf den unpersönlichen Verband, der die Sanktion erteilt? Vermutlich auf beide, denn ich habe ja nichts gemacht, darf aber dennoch nicht in Stadion. Und genau hier liegt das Problem der DFL. Denn durch Urteile wie diese macht sie sich zum Feindbild, weil sich Unschuldige zu Recht ungerecht behandelt fühlen. Kommt nun noch der Eindruck von Willkür und das Gefühl „die machen ja eh was sie wollen“ hinzu, dann kann das ganz schnell zum Problem werden. Nicht umsonst wird es Pädagogen heutzutage beigebracht, bei Unterrichtsstörungen durch Schüler auf Strafarbeiten für die gesamte Klasse zu verzichten, da die Unschuldigen sich eher mit ihren Klassenkameraden solidarisieren, als mit dem Lehrer. Insgesamt ist es ein sehr gefährliches Spiel, welches Verband, Polizei und Medien betreiben, wenn sie ständig über (vermeintliche) schwere Ausschreitungen und Randale berichten und diese überhart sanktionieren. Es gibt schließlich so etwas die „sich selbst erfüllende Prophezeiung“. Familienväter werden es sich zweimal überlegen, mit ihren Kindern ins Stadion zu gehen und dafür auch noch richtig viel Geld zu zahlen, wenn sie aus den Medien den Eindruck gewinnen im Stadion mitten im dritten Weltkrieg zu sitzen. Andererseits werden gewaltgeile Subjekte eher geneigt sein mal wieder im Stadion vorbeizuschauen, da dort ja wieder was zu gehen scheint. Somit würden Gewaltbereite das Familienpublikum ersetzen. Sollte diese Entwicklung tatsächlich eintreten, wäre das bestimmt die schlechteste Variante für alle Seiten. Bei allen Überlegungen lohnt sich einen Blick über den Tellerrand, ins Ausland, zu werfen. In Italien, Polen und Griechenland sind Auswärtssperren, Geisterspiele, und personalisierte Tickets die Regel. Gebracht hat es nichts.

Das Feld für die Ausrottung der Fankultur bereiteten wie bereits erwähnt die Medien mit ihrer reißerischen Berichterstattung. Mit populistischen Äußerungen anstatt konstruktiver Auseinandersetzung mit der Thematik sorgten zudem verschiedene Politiker und sogenannte Fußballprominenz für weiteren Zündstoff. Mit seriösem Journalismus hatte das was die Presse in den letzten Monaten von sich gab, wahrlich nichts mehr gemein. Die nach Sensationen lechzende Presse schrieb Horrorszenarien herbei und scherte sich dabei einen Dreck um selbst recherchiertes Hintergrundwissen, differenzierte Betrachtung und die Befragung aller Beteiligten. Im Gegenteil: Die meisten Gazetten überschlugen sich gegenseitig in noch krasseren Schilderungen. Es entstand der Eindruck, je reißerischer der Artikel, umso besser. Fanvertreter oder gar beteiligte Fans wurden in den allermeisten Fällen weder gehört, noch gefragt. Lieber schrieb man ein paar passende Zeilen aus zweifelhaften Internetforen ab oder übernahm blind Polizeiberichte. Ein beschämendes Bild, das die Berichterstattung hier abgab. Da passte es auch gut ins Bild, dass den bekannten Scharfmachern, wie etwa die Gewerkschaft der Polizei, eine bundesweite Plattform für deren völlig überzogene Forderungen nach Abschaffung von Stehplätzen, Geisterspielen und Bekämpfung der Fankultur gegeben wurden.

Alledem zum Trotz werden wir aber nicht kampflos weichen. Denn den Bonzen das Terrain zu überlassen, würde bedeuten, unsere Liebe und unsere Werte zu verraten. Dinge, mit denen „die da oben“ scheinbar nicht anzufangen wissen. Wir werden weder klein beigeben, noch lassen wir uns auseinanderdividieren und in „gute“ und „böse“ Fans aufteilen. Wir sind dabei für alle offen, die mit uns ein ehrliches und ernst gemeintes Gespräch suchen und unsere Einstellung und Werte respektieren. Ansonsten wollen wir weiter durch Kreativität, Stimmgewalt und Leidenschaft überzeugen.
So, wie wir es nun schon seit 13 Jahren tun.

Text aus: stoCCarda Nr.3 – Das Saisonheft des Commando Cannstatt

Nick Hornby: Fever Pitch

Vielleicht das Fußballbuch schlechthin und ein absolutes Must-read.

Die verrückte Geschichte einer lebenslangen Liebe. Ein Fußballfan und sein Verein. „Fever Pitch“ ist DAS Buch für jeden Fußballfan.

Mit Wortwitz und gewohnter Sprachbrillanz geht Nick Hornby insbesondere auf Rituale ein, die jedem bekannt sind, der den Virus Fußball in sich trägt. Wer je im Fanblock seines Vereins gestanden hat, erkennt sich nicht nur wieder, sondern meint, das Buch sei nur für ihn allein geschrieben. Jeder der fußballverrückt ist, vergisst Geburtstage, den Hochzeitstag, den Verlobungstag etc, aber nie den Tag des ersten Stadionbesuchs, die Torschützen, die Zuschauerzahl, das Wetter. Jedes, für Aussenstehende unwichtige Detail, brennt sich in das Gedächtnis ein. Man kann so etwas nicht beschreiben, man muss so etwas erleben, um mitreden zu können. Hornby erzählt seine Geschichte. Anfangs verfolgt er mit jugendlichen Eifer, Unbedingtheit und Fanatismus die Spiele seines Clubs. Er bedeutet ihm alles, wirklich alles. Mit den Jahren wird er ruhiger, das Absolute und Fanatische weicht einer distanzierteren und mit dem Alter ausgeglicheneren Betrachtung, aber die Liebe bleibt. Dabei schwankt er zwischen einem melancholischen Rückblick auf die alte Zeit, als er jedes Wochenende durch das Land reiste, und der doch zufriedenen Gewissheit, sich irgendwie weiter entwickelt zu haben.

Da es sich um eine Geschichte handelt, die sich über mehr als 30 Jahre erstreckt, ist diese Erzählung auch ein Rückblick auf den Fußball wie er einmal war, als der Weg ins Stadion noch etwas bedeutete. In den heutigen modernen Fußballhallen ist das Spiel zur klinisch sauberen Angelegenheit geworden, die jede Atmosphäre zerstört. Dabei war Fußball immer mehr als das Spiel auf dem Rasen. Erst wenn keine Fans mehr im Stadion sein werden, wird man merken, dass Publikum keine Fans sind. Von daher ist diese Geschichte auch ein melancholischer Rückblick auf ein Spiel mit einer Lebensphilosophie, wie sie so nicht mehr zu finden ist.

„Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden…“

Streetart